 Seele ziehen oder gänzlich
stehen, wenn sie sich vergnügen soll; so wie Wolken, die langsam gehen, schönes
Wetter, und fliegende schlimmes bedeuten. »Es gibt«, sagte Beata, »tugendhafte
Tage, wo man alles verzeiht und alles über sich vermag, wo die Freude gleichsam
im Herzen kniet und betet, dass sie länger dableiben und wo alles in uns
ausgeheitert und beleuchtet ist; - wenn man dann vor Vergnügen darüber weint: so
wird dieses so groß, dass alles wieder vorbei ist.«
    »Ich«, sagte Ottomar, »werfe mich lieber in die schaukelnden Arme des
Sturms. Wir genießen nur blinkende, glühende Augenblicke; diese Kohle muss heftig
herumgeschleudert werden, damit der brennende Kreis der Entzückung erscheine.«
    »Und doch«, sagt' er, »bin ich heute so froh vor dir, untersinkende Sonne!
... Je froher ich in einer Stunde, in einer Woche war, desto mehr stürmte dann
die folgende - Wie Blumen ist der Mensch: je heftiger das Gewitter werden wird,
desto mehr Wohlgerüche verhauchen sie vorher.«
    »Sie müssen uns nicht mehr einladen, Herr Doktor«, sagte lächelnd Beata,
aber ihr Auge schwamm doch in etwas mehr als in Freude.
    Unter dem Rotauflegen des Himmels trat die Sonne auf ihre letzte Stufe, von
farbigen Wolken umlagert. Die Alphörner und sie verschwanden im nämlichen Nu.
Eine Wolke um die andere erblasste, und die höchste hing noch durchglühet herab.
Beata und meine Schwester scherzten weiblich darüber, was diese illuminierten
Nebel wohl sein könnten - Die eine machte daraus Weihnachtschäfchen mit
rosenroten Bändern, eine rote Himmelschärpe - die andre feurige Augen oder
Wangen unter einem Schleier - rote und weiße Nebel-Rosen - einen roten Sonnenhut
u.s.w. ...
    Punsch, denk' ich, wurde endlich für die Herren gebracht, von denen einer
ihn in solcher Mäßigkeit zu sich nahm, dass er noch um 21/2 Uhr seinen Sektor
setzen kann. Wir wandelten dann unter dem kühlenden rauschenden Baum des
Himmels, dessen Blüten Sonnen und dessen Früchte Welten sind, hin und her. Das
Vergnügen führte uns bald auseinander, bald zueinander, und jeder war gleich
sehr fähig, ohne und durch Gesellschaft zu genießen. Beata und Gustav vergaßen
aus Schonung über die fremde Liebe und Freude ihre besondere und waren unter
lauter Freunden sich auch nur Freunde. O predigt doch bloß die Traurigkeit, die
das Herz so dick wie das Blut macht, aber nicht die Freude aus der Welt, die in
ihrem Taumeltanz die Arme nicht bloß nach einem Mittänzer, sondern auch nach
einem wankenden Elenden ausstreckt und aus dem Jammer-Auge, das ihr zusieht,
vorüberfliehend die Träne nimmt! - Heute wollten
