 der auf eine
lustige Art fein und delikat zu sein weiß, zweitens vor den in alle Weltgegenden
aufgeschlossenen Fenstern, die uns noch mehr in alle Strudel der freudigen Natur
hineindrehten, als wären wir draußen gewesen, und drittens jeder von uns mit
einer Hand, welche die weiche Beere des Vergnügens abzunehmen weiß, ohne sie
entzweizudrücken. - Ottomar kommt abends - die zwei Mädchen haben unter Blumen
und der glückliche Gustav unter Schatten sich verloren - der Lebensbeschreiber
liegt hier wie der Jurist Bartolus auf dem hebenden Grase und schildert alles -
Fenk ordnet auf Abend an. - Erst abends tritt das Vollicht unserer heutigen
Freude ein; und ich danke dem Himmel, dass ich jetzt mit meiner biographischen
Feder nachgekommen bin und niemals mehr weiß, als ich eben berichte: anstatt dass
ich bisher immer mehr wusste und mir den biographischen Genuss der freudigsten
Szenen durch die Kenntnis der traurigen Zukunft versalzte. So aber könnt' in der
nächsten Viertelstunde uns alle das Weltmeer ersäufen: in der jetzigen lächelten
wir in dasselbe hinein.
    Da ich so ruhig bin und nicht spazieren gehen mag: so will ich über das
Spazierengehen, das so oft in meinem Werke vorkommt, nicht ohne Scharfsinn
reden. Ein Mann von Verstand und Logik würde meines Bedünkens alle Spazierer,
wie die Ostindier, in vier Kasten zerwerfen.
    In der I. Kaste laufen die jämmerlichsten, die es aus Eitelkeit und Mode tun
und entweder ihr Gefühl oder ihre Kleidung oder ihren Gang zeigen wollen.
    In der II. Kaste rennen die Gelehrten und Fetten, um sich eine Motion zu
machen, und weniger, um zu genießen, als um zu verdauen, was sie schon genossen
habe; in dieses passive unschuldige Fach sind auch die zu werfen, die es tun
ohne Ursache und ohne Genuss, oder als Begleiter, oder aus einem tierischen
Wohlbehagen am schönen Wetter.
    Die III. Kaste nehmen diejenigen ein, in deren Kopfe die Augen des
Landschaftmalers stehen, in deren Herz die großen Umrisse des Weltall dringen,
und die der unermesslichen Schönheitlinie nachblicken, welche mit Efeufasern um
alle Wesen fliesset und welche die Sonne und den Bluttropfen und die Erbse ründet
und alle Blätter und Früchte zu Zirkeln ausschneidet. - O wie wenig solcher
Augen ruhen auf den Gebirgen und auf der sinkenden Sonne und auf der sinkenden
Blume!
    Eine IV. bessere Kaste, dächte man, könnt' es nach der dritten gar nicht
geben: aber es gibt Menschen, die nicht bloß ein artistisches, sondern ein
heiliges Auge auf die Schöpfung fallen lassen - die in diese blühende Welt die
zweite verpflanzen und unter die Geschöpfe den Schöpfer - die unter dem Rauschen
und Brausen des tausendzweigigen, dicht eingelaubten Lebensbaums niederknien und
mit dem darin wehenden Genius reden wollen, da sie selber nur geregte Blätter
