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    Die erhabene Minute verging, die seligste fing an: Beata erhob ihr Haupt und
zeigte Gustav und dem Himmel auf dem zurückgebognen Angesicht das irre
überweinte Auge, die erschöpfte Seele, die verklärten Züge und alles, was die
Liebe und die Tugend und die Schönheit in einen Himmel dieser Erde drängen
können. - - Da kam der überirdische durch tausend Himmel auf die Erde fallende
Augenblick hier unten an, der Augenblick, wo das menschliche Herz sich zur
höchsten Liebe erhebt und für zwei Seelen und zwei Welten schlägt - der
Augenblick vereinigte auf ewig die Lippen, auf denen alle Erdenworte erloschen,
die Herzen, die mit der schweren Wonne kämpften, die verwandten Seelen, die wie
zwei hohe Flammen ineinanderschlugen ....
    - Begehrt kein Landschaftstück der blühenden Welten von mir, über welche sie
in jenem Augenblicke hinzogen, den kaum die Empfindung, geschweige die Sprache
fasset. Ich könnte ebensogut einen Schattenriss, von der Sonne geben. - Nach
jenem Augenblicke suchte Beata, deren Körper schon unter einer großen Träne wie
ein Blümchen unter einem Gewittertropfen umsank, sich aufs Grab zu setzen; sie
bog ihn sanft mit der einen Hand von sich, indem sie ihm die andre ließ. Hier
schloss er seine weite Seele auf und sagte ihr alles, seine Geschichte und seinen
Traum und seine Kämpfe. Nie war ein Mensch aufrichtiger in der Stunde seines
Glücks als er; nie war die Liebe blöder nach der Minute der Umarmung als hier.
Bei Beaten schwamm, wie allemal, das Freudenöl dünn auf dem Tränenwasser; ein
vor ihr stehendes Leiden sah sie mit trocknen festen Blicken an, aber kein
erinnertes und keine vor ihr stehende Freude. Sie hatte jetzo kaum den Mut zu
reden, kaum den Mut, sich zu erinnern, kaum den Mut, entzückt zu sein. Zu ihm
hob sie das scheue Auge nur hinauf, wenn der Mond, der über eine durchbrochne
Treppe von Wolken stieg, hinter einem weißen Wölkchen verschattet stand. Aber
als eine dickere Wolke den Mond-Torso begrub: so endigten beide den schönsten
Tag ihres Lebens, und unter ihrer Trennung fühlten sie, dass es für sie keine
andre gebe. -
    Im einsamen Zimmer konnte Beata nicht denken, nicht empfinden, nicht sich
erinnern; sie erfuhr, was Freudentränen sind; sie ließ sie strömen, und als sie
sie endlich stillen wollte, konnte sie nicht, und als der Schlaf kam, ihre Augen
zu verschließen, lagen sie schon unter himmlischen Tropfen bedeckt. - -
    Ihr unschuldigen Seelen, zu euch kann ich besser wie zu Verstorbnen sagen:
schlaft sanft! Gemeiniglich gefallen uns, nämlich mir und dem Leser, die
Bravour- und Force-Rollen der Romanen-Liebhaber schlecht, weil entweder die eine
Person
