 denn da am Ende? Was wollt' ich denn haben,
wenn ich in meiner Kindheit auf dem Stein meines Torwegs saß und sehnend dem Zug
der langen Straße nachsah und dachte, wie sie fortliefe, über Berge schösse,
immer immerfort ...? und endlich? ... Ach alle Straßen führen zu nichts, und wo
sie abreißen, steht wieder einer, der sich rückwärts herübersehnt. - Was wollt'
ich denn haben, wenn mein kleines Auge sonst auf dem Rhein mitschwamm, damit er
mich hinnähme in ein gelobtes Land, in welches alle Ströme, dacht' ich, zögen,
ach sonst, wo ich nicht wusste, dass er, wenn er manches schwere Herz getragen,
neben mancher zerquetschten Gestalt vorbeigebrauset, die nur er von ihren Qualen
erlösen konnte, dass er dann wie der Mensch sich zersplittere und zertrümmert
einsickere in holländische Erde? - Morgenland, Morgenland! auch nach deinen Auen
neigte sich sonst meine Seele wie Bäume nach Osten: - Ach wie muss es da sein, wo
die Sonne aufgeht! dacht' ich; und als ich mit meiner Mutter nach Polen reiste
und endlich in das nach Morgen liegende Land und unter seine Edelleute, Juden
und Sklaven trat .... Weiter gibts aber auf dieser optischen Kugel kein
Morgen-Sonnenland als das, welches alle unsere Schritte weder entfernen noch
erreichen. Ach ihr Freuden der Erde alle, ihr sättigt die Brust bloß mit
Seufzern und das Auge mit Wasser, und in das arme Herz, das sich vor euerem
Himmel auftut, giesset ihr eine Blutwelle mehr! Und doch lähmen uns diese paar
elenden Freuden, wie Giftblumen Kindern, die damit spielen, Arme und Beine. Nur
keine Musik, diese Spötterin unserer Wünsche, sollt' es geben: fließen nicht auf
ihren Ruf alle Fibern meines Herzens auseinander und strecken sich als so viele
saugende Polypenarme aus und zittern vor Sehnsucht und wollen umschlingen - wen?
was? ... Ein ungesehenes, in andern Welten stehendes Etwas. Oft denk' ich,
vielleicht ists gar nichts, vielleicht geht es nach dem Tode wieder so, und du
wirst dich aus einem Himmel in den andern sehnen - und dann zerdrücke ich unter
diesem phantastischen Unsinn die Klaviersaiten, als wollt' ich aus ihnen eine
Quelle auspressen, als wär' es nicht genug, dass der Druck dieses Sehnens die
dünnen Saiten meines innern Tonsystems verstimmt und absprengt ....
    In Rom wohnte ein Maler, der Kirche von S. Adriano gegenüber, der unter dem
Regen sich allemal unter die Dachrinnen stellte und sich toll lachte; der sagte
oft zu mir: Einen Hundetod gibts nicht, aber ein Hundeleben. Fenk! nimm
wenigstens, was der Mensch wird oder tut:
