 die Aussicht in die
Hölle zu vergulden. Er vergaß in diesem stolzen Gefühl die Beweggründe seiner
Verbindung mit dem Teufel, seinen Hang zur Wollust und Genuss und schwärmte sich
auf seinem Rosse in gespannter Phantasie zum Ritter der Tugend, zum Rächer der
Unschuld. Ja dieser Selbstbetrug ward sogar ein Balsam für seinen gekränkten
Geist, und er sah gleichgültiger auf den peinlichen Gedanken, das nicht durch
den Teufel entdeckt zu haben, was er so sehnlich zu wissen gewünscht hatte. Sein
Herz schlief hierbei so ruhig an dem Abgrund der Hölle ein, als der Fromme in
die Arme des Todes sinkt, der ihn in die seligen Gefilde hinüberträgt. Der
Teufel ritt neben ihm her und ließ ihn ruhig seine Glossen machen. Er nur sah in
jedem dieser vermeinten edlen Gefühle einen neuen Stoff zur künftigen Marter und
Verzweiflung, und sein Hass nahm in dem Masse gegen Fausten zu, als sich dessen
Aussicht aufheiterte und erweiterte. Er genoss der Stunde voraus, worin alle
diese glänzende Lufterscheinungen zusammenstürzen, alle diese bunten Bilder der
Phantasie sich in die Farbe der Hölle hüllen und des Kühnen Herz so zerreißen
würden, wie nie eines Sterblichen Herz zerrissen ward. Nach langem Schweigen
erhub endlich Faust die Stimme:
    »Sage mir, wie ist es nun mit dem falschen Günstling?«
    TEUFEL: Er schmachtet auf dem glühenden Sande, streckt seine verdorrte Zunge
aus dem brennenden Rachen, dass die Luft und der Tau sie erfrischen und
befeuchten mögen; aber dort weht kein kühlender Wind, und in Jahrtausenden fällt
kein erfrischender Tropfen vom Himmel. Sein Blut kocht wie glühendes Metall in
den Adern, die Strahlen der Sonne fallen senkrecht auf sein nacktes Haupt. Schon
rollt der Fluch gegen den Ewigen in seinem entflammten Gehirne, seine dürre
Zunge vermag nicht, ihn auszusprechen, er arbeitet in dem heißen Sande wie ein
Maulwurf, um die feuchte Erde zu lecken, und öffnet sich nur ein Grab. Ist deine
Rache befriedigt?
    FAUST: Rache? Warum nennst du Ausübung der Gerechtigkeit Rache? Sieh, kalter
Schauder überlief meine Haut bei deinen Worten, aber ich sah ihn kalt lächeln,
da ich ihm die Marter des Edlen und der Verführten schilderte.
    TEUFEL: Die Zeit, die nur langsam den Schleier hebt, mag es entwickeln. Der
Bauer, Faust, säet den Hanf, arbeitet ihn zum Stricke, ohne zu ahnden, dass sein
strenger Herr ihn einst damit wird geisseln lassen, wenn er die Gebühren und
Frondienste nicht abträgt. Was wird aus dir werden, wenn du den Menschen in
grösserm Wirkungskreise sehen wirst? Wir haben dem Ungeheuer nur die erste Haut
abgezogen, was wird es dann sein, wenn wir ihm die Brust aufreißen? Schnell
würde der, welcher die Rache sich vorbehalten hat, das Zeughaus des
