 als eine geliebte
Braut, die alles mitnimmt und dem Himmel aufhebt, was wir schon als uns
zugehörig betrachteten, und das unserer Phantasie von unersetzlichem Werte
scheint.« - »Wer hart genug ist,« antwortete ich, »eine solche Schwester dem
Moloch - der Mönchswut zu opfern, verdient statt der Schmeichelei eines
liebenden Auges die Umarmungen der Furien. Gott tröste und segne nur die beiden
trefflichen Mädchen - was kümmert mich der unnatürliche Bruder!«
    Der Wirt schlich während meines heftigen Ausfalls gähnend davon. Ich
schlüpfte in meine Kammer - - aber woher sollte mir der Schlaf kommen? - stürzte
wieder heraus, setzte mich an meinen Schreibtisch, und sitze noch da, fluche der
geistlichen Verräterei an der Menschheit, und zanke zur Abwechselung mit dem
Schicksale. Ich kann mich nicht trösten über den Verlust, den Welt, Tugend und
Freude durch die Mordtat an diesem unvergleichlichen Mädchen erleidet. Jetzt
erst begreife ich ihre Erschütterung, als die Klosterglocken zum nächtlichen
Gebete läuteten; jetzt erst fühle ich das ganze Gewicht der stillen Träne, die
ihr über die Wange in den Kelch der Passionsblume rollte; erst jetzt wird mir es
klar, warum ihre Bewunderung des ausduldenden Kapuziners sich in Beben und Gebet
verlor, warum ihr Auge so gerührt über den Blumen hing, die sie ihrer
eingekerkerten Agathe darbrachte, und ich verstehe die Wehklage über ihr
Unvermögen her verwaisten Armen zu helfen.
    O du, deren melodisch tönende Trauerstimme mir das Herz jetzt schneidend
durchdringt, wohl hattest du Recht: ich entdecke mit Stolz den Sinn deiner Rede,
dass ich zwar unbekannt mit deinem Kummer, doch des Mitgenusses deiner Schwermut
nicht ganz unwürdig sei. Hält mich auch der Nachschwung in die lichtvolle Höhe
der Unsterblichkeit, aus der du, gleich einem Engel, auf diesen Todtenhügel
herab schimmerst, immer noch fern von dir, so gibt mir doch schon der mindeste
Nebenstrahl deines heutigen Abglanzes alle Ehre und Würde wieder, die ich in der
niederen Sphäre des Leichtsinns und der Wollust verlor. - Dich, die jeden Kreis
erheitert, jeden geselligen Trieb veredelt, konnte ein Vater, der Lebensgenuss,
Freuden und Feste liebt, zu der Einsamkeit eines Klosters verdammen? - eines
Klosters? wo deine von ihm entsprossene und sorgsam gepflegte Jugendblüte, bei
den höchsten Ansprüchen auf Gefallen und Liebe, wo deine sanften
Herzenserwartungen und jene geheimen Ahndungen mütterlichen Entzückens - einem
Götzenbilde zum unnützen Weihrauch dienen, und die Keime zu den reichsten Ernten
menschlichen Glücks in dem Darrofen einer Zelle dumpf werden und vertrocknen
sollen? - Unglückliches Kind! Entferne dich, wie die Tugend vom Laster, von
deinem abscheulichen Bruder, der die Stirn hat, das Verbrechen seiner Erbschaft
mit dem letzten Willen einer in Wahnsinn sterbenden Mutter zu beschönigen.
Entferne dich, noch ist es
