 Minuten, ehe sich das Gute dieser Anstalt und der große
Sinn zeigt, den der Stifter darein gelegt hat. Kaum aber haben die eben so
wahren als zärtlichen Vorstellungen ihrem belasteten Herzen die erste
unmerkliche Erschütterung mitgeteilt - so rollt die ganze schwere Masse, wie
ein Schiff, das vom Stapel gelassen wird, nur desto geschwinder - reißt alles
mit sich fort, was es auf seinem Wege antrifft - und schwebt nun stolz zwischen
Himmel und Erden. Sie sieht mit dem fröhlichsten Erstaunen - was sie nie
erwarten konnte - sieht ihren Liebhaber in ihrem Gebieter. Die Drahtpuppe ist
verschwunden - Sie bewegt jetzt selbst was sie bewegt - Sie findet Geschmack an
ihrer Rolle, und spielt sie vortrefflich. Kein Blick ihrer besänftigten Augen
fällt auf den innigst gerührten, schmachtenden Jüngling, der ihr nicht eine süße
Empfindung - keiner fällt verstohlen an die Wand, der nicht eine kleine
Belehrung mitbrächte. Ohne es zu wissen, ahmt sie die eigene Miene der furchtsam
nachgebenden Psyche nach, die aus dem herrlichen Altarblatte auf sie
herüberblickt - und mit welchem Feuer kehrt nicht sein Auge auf die ihrigen
zurück, wenn es die Zeit einer halben Sekunde gewann, auf ein Gemälde aus
Titians Jugend zu gleiten, das ihm gerade vor den Augen über dem Sopha, seiner
furchtsamen Prinzessin aber im Rücken hing, wie ihm Psyche's Apoteose! Ach wie
weiden sich beide an dem hohen und wahren Ausdrucke des Gefühls, das jedes in
dem Herzen des andern zu erregen sich einbildet, ohne zu ahnden, wie viel sie
davon dem Widerscheine der Kunst, die hier so schwesterlich der Natur die Hand
reicht, zu verdanken haben! Gott segne ihren glücklichen Irrtum! Trunken von
der Seligkeit ihres Daseins - erschüttert durch den Zauber dieser heiligen
Stätte - zu Göttern verklärt durch das Feuer der Einbildungskraft - sinken sie
staunend einander in die Arme - sinken in die Vergessenheit ihrer selbst. - Der
Segen ihres großen Ahnherrn - das Wohl des Landes, und das höchste Entzücken der
Liebe schwebt über ihnen. Millionen Sphären rollen über den Häuptern der
Glücklichen hin. - Sie mögen kommen - gehen - verschwinden - was kümmert es sie?
Die Sterne, die lange über dem Sopha funkelten, stehen jetzt unter ihm - aber
was fragen sie nach den Körpern des Himmels - ihrem Stande und ihrer Bewegung?
Was sollten sie? Sind sie nicht selbst ein Universum? Aus der Zusammenkunft
ihrer Planeten in dem schönsten Punkte des Tierkreises werden sich neue Epochen
der Freude, neue Systeme der Liebe entwickeln, die in dem unermesslichen Raume
der Geister- und Körperwelt - unabhängiger und glorreicher als jene, ihre
unbekannte Bahn beschreiben - durch Jahrtausende sich fortwälzen, und dem
lieblichen Genius der Erhaltung vorleuchten werden bis an das Ende der Tage.
Umsonst arbeiten alle Wirbel
