
Des Selbstgenusses, zu den Musen?
Ich fand mein Dasein - ach ich fand
Nur Ruh' allein an ihrem Busen.
Wenn höfische Gespenster mich
Mit Gott und Welt verfeindet hatten,
Entschlüpft' ich ihrem Kreis, und schlich
Ein Stündchen in des Pindus Schatten.
Hier sang ich meines Lebens Traum,
Erpfiff mir neuen Mut zu leben,
Und segnete den Wunderbaum,
Der mir sein Blatt dazu gegeben.
Hier an den Liebreiz der Natur
Mit allen Sinnen angeklammert,
Hat meine Zither nie der Flur
Der Zeiten Elend vorgejammert.
Doch hat mir auch mein Brod dafür
Die fröhliche Natur gewürzet,
Und niemals karg um die Gebühr
Der Freudenfänger mich verkürzet.
Gelockt durch meinen Waldgesang,
Hat manches Vögelchen in Stunden
Der Neugier sich am Überhang
Der Birken bei mir eingefunden:
Sie fassten Herz, von Baum zu Baum,
Von Ast zu Ast, mir nachzuschweben,
Und bald sah ich in ihrem Flaum
Den ersten Schlag der Freude beben.
So hab' ich mir durch Stolz und Groll
Des Lebens Pfade nie verdorben,
Und, wie ein reisender Apoll,
Mir meine Musen selbst geworben.
Da schon, als im Tumult der Schlacht
Die Flöte Friedrichs wiedertönte,
Und durch die Harmonie der Nacht
Die Furien des Kriegs versöhnte,
Schon da, sucht' ich den Helikon
Auf Hügelchen, die erst begonnen;
Und vor dem Frieden hatt' ich schon
Ihm beide Gipfel abgewonnen.
So hab' ich durch mein Saitenspiel
Die vollen Spulen meiner Stunden
Vergnügt bis an das nahe Ziel
Des letzten Knötchens abgewunden!
Und klagst du nicht den Wand'rer an,
Der still und friedlich heimgeschlichen,
Dass er nach Kookens Reiseplan
Nicht das bestürmte Meer durchstrichen;
Fragst nicht, wie bunt der Faden war,
Ob locker oder grob gesponnen,
Durch den einst Teseus der Gefahr
Des dunkeln Labyrints entronnen:
So frag' auch nicht, was für Gewinnst
Mein Tagewerk der Welt verspreche;
Ach schon genug, wenn mein Gespinnst
Nur mehr beträgt als meine Zeche!
Dem Geist der wirkenden Natur
Sei heimgestellt es zu verputzen,
Und, wär' es auch als Einschlag nur,
Zu höherm Stoff es zu benutzen:
Damit, was ich der Freude spann,
Der Nachwelt nicht so ganz verschwinde,
Dass nicht ein Mädchen dann und wann
Ein abgetröselt Fädchen finde.
Sein ehrlicher antiker Schein
Müss' ihr den ersten Antrieb geben,
Auch ihren Knäul bald im Verein
Der holden Musen abzuweben;
Es leihe da, wo Widerstand
Nur Freude bringt, ihr seine Kräfte,
Dien' ihr zum Oehr am Brautgewand,
An ihrem Myrtenkranz zum Hefte;
Dien' ihr als Sinnbild beim Empfang
Des letzten Unterrichts der Mädchen,
»Ach!« denke sie, - »welch ein Vergang!
Ach! Alles hing an diesem Fädchen!«
Täuscht
