 und indes von Fremden, die der wohlklingende Name des Orts -
wohlklingend wenn ihn ein Dichter ausspricht - und der Gedanke an seinen
ehemaligen Bewohner Hieher zieht, ein Ungewisses Almosen erbetteln. Und diesen
Wohnsitz der Bekümmernis, armer Petrarch! diesen abgestorbenen Teil unserer
freundlichen Welt, konntest du wählen? konntest in dieser Gefangenschaft von
Bergen - in diesem Brennpunkte einer frei wirkenden Sonne gutwillig schmachten,
um nur ungestört, und abgezogen von allem, was an das Leben erinnert, dem
einzigen Gedanken nachzuhängen, der den ganzen Neichtum deiner Wallfahrt und
deines Nachlasses ausmacht? Sit tibi terra levis! Aber deine Laufbahn hienieden
gefällt mir nicht. Ich fühle in Demut, dass ich für so, hohe Verläugnungen, als
die deinigen waren, zu schwach bin, und möchte nicht eine Nacht für so eine
Belohnung verwachen, als du erreicht hast. Ich bewundere dich, ohne dir
nachzuahmen.
»O wie belohnend muss die süße
Empfindung sein dess, der den Talisman
Petrarchs besitzt! Was gehen ihn non Vauclüse
Die dürren Kreidefelsen an?
Ihn, der sein Feld und seine Wiese
Im Schubsack trägt, und irdisch Zugemüse
Bei Götterkost entbehren kann?
Ein schöner Geist ist w Urdig. nur von Geistern
Bedient zu sein - Ein Gnom putzt ihm die Schuh,
Ein Sylphe braut ihm Tee, und Amoretten kleistern
Die Spalten seiner Fenster zu.
Was mangelt ihm? Ein überirdisch Feuer
Erwärmt sein Stübchen - flammt auf seinem Herd;
Und menn bei himmlischem Tokaier
Ein Dichterwunsch nach süßem Abenteuer
Auch dann und wann durch seine Nerven fährt -
Auf einen Laut der stets gestimmten Leier
Führt ihm schon Amor, sein Getreuer,
Das Mädchen zu, wie es sein Herz begehrt,
Blond oder braun - und lockender und neuer,
Als mir der Schelm noch keins gewahrt:
Denn was zur nächsten Morgenfeier
Er mir verheisst, liegt unter heil'gem Schleier
Dem Auge noch nicht aufgeklärt.
So hast du deinem treusten Sänger,
Monarchin, die zu Paphos tront,
So fürstlich hast du ihn belohnt!
Noch steht der Fels, auf dem er, enger
Mit dir vereint, in Phöbus Strahl gewohnt,
Als keiner der den Musen frohnt.
Hier saß der Virtuos in Himmelslust, und geigte
Der Welt und Nachwelt deine Freuden vor.
Dass selbst die Schöne, die sein Herz erkohr,
Das Knie vor deinem Zepter beugte,
Und voller Sympatie, so still und liebekrank,
Acht Erben - dem Apoll sei Dank!
Mit ihrem Ehemann erzeugte.
    Diese Betrachtungen der idealischen Glückseligkeit eines Dichters jagten mir
eine stiegende Hitze in's Gesicht. Ich ließ mir geschwind ein Glas Wasser aus
der Quelle Petrarchs holen, warf mich, so bald ich mich abgekühlt hatte, in
meinen Wagen, und floh diesen poetischen Ort, der mir je länger je
