, was sich meinen geistigen und leiblichen
Augen außer Klärchen darbot! Ich blickte so neidlos auf die stillen Täler, die
neben mir, als auf die lärmenden Königsstädte, die weit aus meinem
Gesichtskreise lagen, bemitleidete das zwangvolle Leben der Großen, wie das
Idyllenleben der Hirten, wenn jene auf Flaum - diese auf Moos gestreckt - hier
immer nur weidende Lämmer - dort immer nur bettelnde Sklaven im Auge - hier
immer nur den einförmigen Ton der Glöckchen - dort das Geklapper des Stolzes im
Ohr haben, durch den die eine ärmliche Herde bei jedem Genuss eines Gräschens -
die andere oft ohne Genuss, die höheren Bedürfnisse menschlicher Torheit
verkünden; und mit wohlgefälligem Lächeln kehrte ich nun meine Blicke auf Mich -
sah mich im Sonnenschein glänzen - mit Starke der Jugend und Gesundheit
gerüstet, unter dem Machtspruche eines menschenfreundlichen Papstes - ach' nach
einer kurzen Wallfahrt zu dem Sänger der Liebe, in die Arme eines Mädchens dahin
sinken, das nur für den unsterblichen Genuss der Engel gespart schien, und, ohne
die Vermittlung des heiligen Kniegürtels, gewiss allen menschlichen Wünschen
entschlüpft wäre. Wie schwärmte ich; Freund! Wie oft nahm ich meinen Sonnenhut
ab, um das himmelblaue Band anzulächeln, und von ihm in optischen Träumereien
über den Gränzort hinzuschweifen, wo die Auswechselung geschah!
    Endlich hielt der Wagen. Wo bin ich? fragte ich voller Verwunderung. - »Zu
Vauclüse,« tönte mir mein Führer mit einer Stimme ins Ohr, die so kreischend war
als das Knarren einer Tür, und die mich aus das unangenehmste aus meiner
Überspannung zurück brachte. Ich stieg aus, und die Blicke, die ich wild um
mich herum schoss, prallten, wie die Strahlen der Morgensonne, von den nackten
weißen Bergen zurück, die das steinige Tal, und in demselben den hohen spitzen
Felsen mit der verfallenen Burg umkränzen, in welcher der Sänger der Liebe
geweilt hat. Unter einem dunkeln Gewölbe am Fuße dieses Kreidengebirgs liegt der
berühmte Quell, der zu Zeiten sich aus seiner Untiefe ergießt, und rauschend
diese Marmorlandschaft überströmt. Fürchterlich mag alsdann der Anblick seiner
Ergiessung in den Schoss der toten Natur werden: aber still und beweglos sah ich
sie jetzt allein um mich herum herrschen, und entsetzte mich über ihr ernstes
Gesicht. Mein Herz hatte gehofft, sich in diesem durch liebliche Gesänge
berühmten Tale gütlich zu tun; aber alles war ihm entzogen, woran es sich
hätte schmiegen können. - Nicht einmal ein Oelbaum mit seinem unfreundlichen
Grün - kein Gräschen, das sich durch die Spalten des Felsen stahl - kein
abgestorbenes Minchen, woran auch nur der kleinste Wurm hätte saugen oder darauf
ausruhen können! Ein paar einzelne armselige Hütten in Elend schmachtender
Tagelöhner, die nur zur Zeit der Flut einen gefahrvollen kleinen Verdienst
erwarten,
