 sang, war ein
Meisterstück spanischer Poesie, und wir haben davon nur die ersten Strophen
behalten.
Quando contemplo el cielo
de innumerables luces adornado;
y miro hazia el suelo
de noche redeado
en sueño y en olvido sepultado:
El amor y la pena
despiertan en mi pecho un ansia ardiente,
despide larga vena
los ojos hechos fuente,
Oloarte, y digo al fin con voz doliente:
»Morada de grandeza
templo de claridad y hermosura,
el alma, que a tua alteza
Naciò, que desventura
la tiene en esta carcel baxa escura? -«36
Der Jüngling war vermutlich bei ihr; denn wir hörten hernach sprechen und
seufzen und Stille zu Kuss und Umarmung in der dichten Laube. Ach, es war in der
Tat ein schöner Abend! Kühlender Duft senkte sich nieder und hüllte nach und
nach das Gebirg ein, alles wurde verwischt, und Form dämmerte nur unten, indes
oben die reinen vollkommenen Sterne blinkten. Wir meinten, wir müssten uns
sogleich mit dem Liede der holden Spanierin emporheben und unsre Stelle
verlassen. Es ist unten doch alles so Nichts, wenn es nicht von dem klaren
himmlischen Licht seine Gestalt empfängt!
    Dann ging der stille Mond am wilden dampfenden Vesuv auf; dunkel lag das
Meer noch in Schatten und erwartete mit unendlichen leisen plätschernden
Schlägen seine Ankunft. Die Menschen kühlen sich ab in den Fluten, machen Chorus
und scherzen und genießen weg ihr Dasein.
    Es ist entzückend, wie man die Erde mit sich gen Osten unaufhaltbar
fortrollen sieht und die ganze Harmonie des Weltalls fühlt!
    »Du bist glücklich, Mond«, seufzte Fiordimona; »du läufst deine Bahn ewig
fort, dein Schicksal ist entschieden!
    Ach Gott, wer wüsste, was das Licht wäre, das so schön leuchtet, und es
erkennen könnte! Es ist doch gewiss ein heilig Wesen; und tot ist es nicht, weil
es sich so schnell fortbewegt!
    O wer in den großen Massen, Himmel und Meer und Mond und Sternen,
Frescobaldi, an Deinem liebevollen Herzen immer so schweben könnte! Was dies für
eine Ruh und Seligkeit ist! Man atmet so recht aus und schöpft mit jedem Zuge
Lust und Erquickung!«
    Denke noch zu solchen Wonnelauten, unmittelbar von ihren Quellen, Kuss und
Blick und Umarmung der Erhabnen!
    Koimbra machte hernach mit uns Bekanntschaft und redt uns zuerst an, als wir
einander auf einem Spaziergange begegneten; ein durchaus gefühlig zartes Wesen,
worin aber kühne Blitze von Leidenschaften herumkreuzen. Wörtliche
Liebeserklärung erfolgte bald, wie Fiordimona sich, zu unerfahrner Jüngling, bei
Händedruck und schmachtenden Seufzern und Blicken bezeugte. Fiordimona spielte
ihre Rolle trefflich, um sich nicht erkennen geben zu dürfen und Tätlichkeiten
bis zu unsrer Fortreise abzuhalten; und wir sind während der Zeit
