 der nahen Villa Sacchetti Efeu zu Kränzen und belaubte
Weinranken mit Trauben zu Tyrsusstäben, und jeder Jüngling warf alle Kleidung
von sich. Es ging immer tiefer ins Leben, und das Fest wurde heiliger; die Augen
glänzten von Freudentränen, die Lippen bebten, die Herzen wallten vor Wonne.
    Wir führten auf die letzt allerlei Szenen auf, aus Fabel, komischen und
tragischen Dichtern und Geschichte, in himmlischen Gruppen, wo eine wahrhaftige
Phryne an Schönheit darunter mit errötendem und lächelndem Stolze sich endlich
ganz nackend zeigte, in den verschämtesten und mutwilligsten Stellungen.
    Tolomei wetteiferte mit ihr; er hatte wirklich Schenkel wie ein junger Gott,
entzückend Feuer schon der Hand, und die Sprossen zum künftigen Strauchwerk
waren an seinem Leibchen eben angeflogen.
    Demetri glich dem Zeus, und ihm fehlte dazu nur Donnerkeil und Adler.
    Die Phryne riss alsdenn der andern Schönsten das Hemd weg und beide den
übrigen, und nun ward ich von ihr wie von einer wütenden Pentesilea gefasst, der
höchste bacchantische Sturm rauschte durch den Saal, der alles Gefühl
unaufhaltbar ergriff, wie donnerbrausende Katarakten, vom Senegal und Rhein, wo
man von sich selbst nichts mehr weiß und groß und allmächtig in die ewige
Herrlichkeit zurückkehrt.
    Gegen Morgen macht ich die Zeche richtig, und wir schwärmten im
Geisterglanze des Vollmonds unter Chor und Rundgesang an dem Tiber vorbei und
hernach durch die hehren Ruinen und Triumphpforten über den Tarpejischen Felsen.
 
                                  Zweiter Band
                                   Vierter Teil
                                                                   Rom, Oktober.
Ich habe seit meiner letztern Begebenheit mit Lucinden gerungen und gekämpft, in
keine solche Torheit wieder hineinzugeraten; aber alles muss seiner Natur folgen.
Ich zittre und knirsche mit den Zähnen, dass es nicht anders ist: der Mensch hat
keine Freiheit. Sieh die Inseln der Glückseligkeit vor Dir, mit vor Verlangen
kochendem Herzen nach ihrer Lust, von üppigem Mut alle Nerven geschwellt: und
widerstehe mit kalter Überlegung der Gefahren, die vielleicht auf Dich warten,
indes der günstigste Wind über Dir in den Wipfeln hinsäuselt! Was ist das, dass
der Mensch so nach Ruhe trachtet und sie hernach doch nicht leiden kann? Dass das
Ziel keins mehr für ihn ist, sobald er es erreicht hat, und er immer ein neues
haben muss? Ach, unser Wesen hat keinen Frieden, und Brand und Glut in und über
alles ist dessen erste Urkraft!
    Wo ich gehe und stehe, schwebt sie mir vor Augen; ich strecke meine Arme
nach ihr aus, und meine Füße bewegen sich von selbst nach dem Ort ihres
Aufenthalts. In diesen Kreis bin ich wie gebannt, und mir scheint kein ander
Licht. O sie ist so ganz, was ich wünsche! und alles andre, was ich schon
genossen habe, dünkt mir nur ein Vorschmack von der Fülle ihrer Seligkeit.
Fiordimona
