; und ich sah sie wirken und schaffen ineinander in den Tiefen der
Erde, alle die unergründlichen Kräfte; und nun über der Erde und unter dem
Himmel wimmeln die Geschlechter der mannigfaltigen Geschöpfe. Alles, alles
bevölkert mit tausendfachen Gestalten; und die Menschen dann sich in Häuslein
zusammen sichern und sich annisten und herrschen in ihrem Sinne über die weite
Welt! Armer Tor! der du alles so gering achtest, weil du so klein bist. - Vom
unzugänglichen Gebirge über die Einöde, die kein Fuß betrat, bis ans Ende des
unbekannten Ozeans weht der Geist des Ewigschaffenden und freut sich jedes
Staubes, der ihn vernimmt und lebt. - Ach damals, wie oft habe ich mich mit
Fittichen eines Kranichs, der über mich hin flog, zu dem Ufer des ungemessenen
Meeres gesehnt, aus dem schäumenden Becher des Unendlichen jene schwellende
Lebenswonne zu trinken und nur einen Augenblick in der eingeschränkten Kraft
meines Busens einen Tropfen der Seligkeit des Wesens zu fühlen, das alles in
sich und durch sich hervorbringt.
    Bruder, nur die Erinnerung jener Stunden macht mir wohl. Selbst diese
Anstrengung, jene unsäglichen Gefühle zurückzurufen, wieder auszusprechen, hebt
meine Seele über sich selbst und lässt mich dann das Bange des Zustandes doppelt
empfinden, der mich jetzt umgibt.
    Es hat sich vor meiner Seele wie ein Vorhang weggezogen, und der Schauplatz
des unendlichen Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des ewig offenen
Grabes. Kannst du sagen: Das ist! da alles vorübergeht? da alles mit der
Wetterschnelle vorüberrollt, so selten die ganze Kraft seines Daseins ausdauert,
ach, in den Strom fortgerissen, untergetaucht und an Felsen zerschmettert wird?
Da ist kein Augenblick, der nicht dich verzehrte und die Deinigen um dich her,
kein Augenblick, da du nicht ein Zerstörer bist, sein musst; der harmloseste
Spaziergang kostet tausend armen Würmchen das Leben, es zerrüttet ein Fußtritt
die mühseligen Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein
schmähliches Grab. Ha! nicht die große, seltene Not der Welt, diese Fluten, die
eure Dörfer wegspülen, diese Erdbeben, die eure Städte verschlingen, rühren
mich; mir untergräbt das Herz die verzehrende Kraft, die in dem All der Natur
verborgen liegt; die nichts gebildet hat, das nicht seinen Nachbar, nicht sich
selbst zerstörte. Und so taumle ich beängstigt. Himmel und Erde und ihre
webenden Kräfte um mich her: ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig
wiederkäuendes Ungeheuer.
                                                                  Am 21. August.
Umsonst strecke ich meine Arme nach ihr aus, morgens, wenn ich von schweren
Träumen aufdämmere, vergebens suche ich sie nachts in meinem Bette, wenn mich
ein glücklicher, unschuldiger Traum getäuscht hat, als säss' ich neben ihr auf
der Wiese
