 ich mich so gesichert fühle - war auch jener Augenblick meines Lebens
fest gegründet, wo sich Hartknopfs Seele gegen die meinige aufschloss; und ich
weiß es gewiss, dass er mir nicht entgehen konnte.
    Hartknopf fand mich der Mitteilung seines Geistes wert; welches er gewiss
nicht getan haben würde, wenn seine erste Lektion am Steigerwald bei mir nicht
angeschlagen hätte - aber er sah, dass meine Seele aufrichtig war; dass ich mich
der törichten Verstellung, und des törichten Zwanges schämte; dass ich die
Nacht nicht herausgegangen war, um zwischen der Natur und mir gleichsam eine
feierliche Szene zu veranstalten; sondern dass ich diesmal einem lockenden Rufe
gefolgt war, und dass mein Herz sich willig eröfnete, um den reinen Lichtstrohm
aus ihr aufzunehmen.
    Ich war so gestimmt, dass ich mich an der Figur eines Blattes auf den Wipfeln
der Bäume ergötzen konnte, und alles aus meinen Gedanken verbannt war, was diese
schöne Ordnung der Natur, die sich jetzt unverfälscht in mir abdrückte, hätte
stören können.
    Diese wohltätige Stimmung bemerkte Hartknopf sogleich, und nutzte sie mit
solcher Macht, dass er, ehe ich es noch selbst wusste, eine neue Schöpfung in mir
hervorgebracht hatte.
    Das Licht hatte sich von der Finsternis gesondert, der Morgen war
angebrochen.
    Das verwirrte Chaos der Ideen, die von Jugend auf in meine Seele geströmt
waren, ordnete sich plötzlich zu einem schönen Ganzen.
    Selbst das, was ich glaubte unnütz und umsonst gelernt, und in Büchern
gelesen zu haben, fand hier seinen angewiesenen Platz - und da war nichts mehr,
das nicht in den schönen Plan gehört hätte.
    Die Fluten, die vorher sich mit dem Erdreich vermischt, und es schlammicht
und bodenloss gemacht hatten, sonderten sich jetzt in Meere und Flüsse, und
stellten das Antlitz des Himmels dar, der sich darin spiegelte, und die Erde
ward fest und hart, dass Menschen und Tiere drauf wandeln, und Bäume und
Pflanzen drauf emporschiessen konnten.
    Wahrlich ich sage dir, es sei denn, dass jemand geboren werde, aus dem
Wasser und Geist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
    Wer nicht den ganzen Nutzen von dem, was er gelernt, getan, gedacht, gelebt
hat, in einen Moment zusammen ziehen kann, bei dem ist die neue Schöpfung noch
nicht vorgegangen, und noch nicht alles so geordnet, wie es soll. -
    Der Moment ist und bleibt der letzte Punkt, wohin alle Weissheit der
Sterblichen streben kann und muss - alles andre ist Chimäre und Einbildung.
    O wer leihet mir Hartknopfs Sprache, womit er in meine Seele rief: es werde
Licht!
    Wer lenkt meine Feder, dass sie nur ein schwaches Bild jener unnachahmlichen
Sprache durch gemahlte Töne auf dem Papier entwerfe.
    Göttliche
