 oft Youngs Nachtgedanken gelesen, aber keinen Schatten von her
Empfindung haben sie in meiner Seele hervorgebracht, welche damals Hartknopfs
kurzes Gespräch in mir erweckte.
    Young ist in vielen Stellen erhaben auch zuweilen rührend und
seelenschmelzend; aber er war nur in den Zelten der Lieblingsdichter meines
Herzens, wo meine Seele selbst verstimmt war - Er hat die Nacht aus der Natur
herausgeschnitten, und sie einzeln aufgestellt - er hat die Finsternis vom
Lichte gesondert - er hat uns in einem vollen gerüttelten Masse die Schrecken des
Todes aufgetischt, dass wir auf einmal den Gaumen unsere Geistes daran laben
sollen.
    Hartknopf lehrte mich die Nacht lieben ohne den Tag zu scheuen, und den Tag
ohne die Nacht zu scheuen. - Finsternis und Licht - Tod und Leben - Ruhe und
Bewegung - mussten in sanfter Mischung sich ineinander verschwimmen. -
    Der Blick zum Himmel gekehrt, musste sich von neuem Lichte gestärkt, wieder
zur Erde senken - um Dort und Hier Gegenwart und Zukunft in schöne Harmonie
miteinander zu vereinen. -
    O wie ich damals an seinen Lippen hing - es war eine warme Sommernacht - wir
saßen auf einem Rasenhügel - zu unsern Füßen rauscht' ein Bach, über uns hing
ein grünes Gesträuch - in der Ferne sah man das Karteuserkloster - Der Himmel
umschloss uns von oben -
    So war alles zusammen bis auf den innersten Gedanken in unsrer Seele ein
vollendetes Ganze.
    Ich fühlte mein Dasein zum erstenmale; fühlte mich in dieser großen Kette
eingezwängt; sicher, fest, und unerschütterlich -
    Ich ward zum erstenmal auf den rechten Lebensfleck geführt -
    Ich lernte die große Weissheit:
                              Des Alles im Moment.
Ich ward zum neuen geistigen Leben geboren.
    Von dem Augenblick an war es ruhig in meiner Seele - Die tobenden Stürme des
Ehrgeizes legten sich - die Furcht verschwand, die Hoffnung ward Zuversicht.
    Die Stille der Seele hatte einen wohltätigen Einfluss auf meinen Körper;
mein Pulsschlag war wieder sanft und regelmäßig - leicht und ungehindert strömte
das Blut in frohen Kreisen fort -
    Mein kränklicher Körper ward durch die Seele geheilt; ich fühlte mich an
Leib und Geiste neugebohren.
    Diese Nacht war es, wo ich Hartknopfen dem Geiste nach kennen lernte. - Das
heißt, sein Geist war mir nun gesichert, er mochte abwesend oder gegenwärtig,
tot oder lebend sein - Ich blickte durch den Geist in seine Augen, so wie ich
vorher durch das Auge in seinen Geist geblickt hatte.
    Unsere Zusammenkunft in dieser Nacht schien ein Werk des Zufalls - aber sie
war es nicht - denn ich möchte doch nicht gern die notwendige Glückseligkeit
meines Lebens an etwas schuldig sein, das sich eben so leicht nicht hätte fügen
können, als es sich gefügt hat.
    Nein, in eben dem ewigen Zusammenhange, worin mein ganzes Dasein gegründet
ist, worin
