 nach eine
ganze Welt mit allen ihren Täuschungen und Blendwerken ausschlossen.- Mit jenem
Jüngling wollte er dort verblühen und dem Grabe zuwelken - dort wollte er selber
sein einsames Gärtchen bauen, - den sanften Strahl der Abendsonne in seiner
Zelle begrüßen - - und allen irdischen Wünschen und Hoffnungen entnommen mit
Ruhe und Heiterkeit dem Tode entgegensehen.
    In dieser Stimmung machte er nun auf den alten eingefallnen Mauern hinter
seiner Wohnung folgendes Gedicht:
Du stille geweihte Behausung, des Grabes rührendes Vorbild,
Welch eine geheime Empfindung heftet mein Auge voll Tränen
Auf deine einsamen Hütten? Ehrwürd'ger Greis, du Bewohner
Des Orts der Stille und der Andacht, Heil dir! vom leeren Gewimmel
Der gaukelnden Eitelkeit fern und fern vom Geräusche des Stolzes,
Kannst du mit eignen Händen dein einsames Gärtchen dir bauen
Und deine Seele, die oft mit edlem Unwillen strebet,
Aus ihrem Kerker zu fliehen, mit jedem kommenden Tage
Dem Himmel würdiger machen - Heil dir! genieße die Segen
Der göttlichen Einsamkeit ganz, dass dein von Erdegedanken
Schon lang entwöhnter Geist in Engelgefühlen zerfliesse
Und zu seinem ewigen Ursprung sich jauchzend emporschwinge - herrlich,
O Greis, war so das Los deiner Tage! Du aber, den Jahre,
Voll Kummer des Lebens durchlebt, noch nicht die sinkende Scheitel
Bereiften, rüst'ger Mann, und du, starker, blühender Jüngling,
Der für die Freuden des Lebens die einsame Zelle sich wählte;
O warst du vielleicht das Ziel der Verachtung, des höhnenden Stolzes?
Betrog dich vielleicht ein falscher Freund? oder fühltest du lebhaft,
Wie alle die Wünsche der Menschen und ihre Hoffnungen alle
So nichtig und doch so stolz sind? War's verbitternder Ekel
Vor diesen schalen, unschmackhaften Freuden des Lebens, der dir einst
Den blumigten Schauplatz der Welt zur traurigen Einöde machte;
Dann wohl auch dir! dass du eine sichere Freistatt vor allen
Den list'gen Ränken der Bosheit fandst und vor dem Geräusche
Der Toren und vor der Verführung des schön gleissenden Lasters
Und vor des Lebens betrüglichen Freuden fandst! - Doch was seh ich?
Im Aug' eine stumme Zähre zittert langsam die Wange
Des Jünglings herab, der abgehärmt und bleich sein gebrochnes,
Hinsterbendes Leben verweinet und wie die lechzende Blume
In schwülen Tagen dahinwelkt. - Der du im geheiligten Kerker
Von keinem Strahl erquickt aus Zwang und Unbedacht schmachtest,
O weine, Jüngling, weine! Dein Gott vergibt dir die Zähren,
Die der unschuldige Wunsch der Natur aus der Seele dir presste!
O könnt' ich doch meine Tränen mit deinen Tränen vermischen
Und sanften lindernden Trost in deine Seele hinweinen!
Sanftlächelnd geht die Sonn' am Frühlingsabend dir unter,
Noch rötet ihr letzter Strahl mitleidig dein einsames Fenster,
Du legst dich hin auf dein Lager und träumst
