 und zerfloss in
Traurigkeit. »Mein lieber, lieber Vater, wie soll ich ohne sie leben! Was kann
mir einen solchen Vater ersetzen! Ich werde es nicht ertragen!« - rief sie dann
von Schluchzen unterbrochen aus. »Behalte Gott im Herzen, mein ewig teures
Kind, und sein Segen begleitet dich überall!«
    Doch ich eile zu dem letzten traurigen Abend vor ihrer Abreise. Tröstend war
mir die Bemerkung, dass sie den Tag nicht in kindischer Unbehaglichkeit, sondern
vernünftig gerührt zubrachte. Wie mein Herz unter der Last seines Grames
arbeitete, und meiner Frau erkünstelte Standhaftigkeit wie Wachs zusammen
schmolz, werden Sie sich leicht vorstellen. Indes die Mutter noch mancherlei im
Hause besorgte, ging ich mit Julchen aufs Feld. Eine Zeitlang schlenderten wir
schweigend neben einander; sie sah mit auffallender Rührung alle sie umgebenden
Gegenstände an, um sie gleichsam ihrem Andenken auf ewig einzuprägen. Ihre
Tränen flossen nun unverhalten, ich aber hütete mich, diesen heilsamen Strom
überfliessenden Gefühls zu hemmen. So erreichten wir grade die Anhöhe, von der
wir Julchen als Kranzträgerinn am Erndtefest hatten ankommen sehen. Eben sank
die Sonne hinter den gegenüberliegenden Wald. Gott! wenn, ach! wenn wird mir die
Sonne hier wieder untergehen! schluchzte sie, indem sie sich kindlich an mich
schmiegte. Liebes Kind, - erwiderte ich, indem ich sie zärtlich an mein
bekümmertes Herz drückte, - liebes Kind, die Trennung soll nur kurz sein, du
hast sie zwar selbst gewollt, arme Tochter, ich weiß es; ich hoffe du wirst dich
bald aus der erstickenden Stadtluft hinwegsehnen. Denke dir indes lebendig
Gottes Auge über dir, und deines Vaters Herz bei dir. Morgen um diese Zeit bist
du dorthin, schon weit, weit von uns weg. Dann gedenke, wenn die Sonne
untergeht, deines betrübten Vaters, dessen Sonne nun vielleicht auf immer
untergegangen sein wird. - O wolle doch das Gott nicht, mein teurer ehrwürdiger
Vater! Was kann ich tun, diese Liebe zu vergelten? rief sie tief erschüttert. -
Ich fuhr wehmütig fort: Hier auf diesem Hügel werd ich stehen, und für meine
entfernte Tochter beten; und du, meine fromme Tochter, bete für deinen einsam
zurückgelassnen Vater. Ich habe deinem Herzen, so viel in meinen Kräften stand,
fromme Gesinnungen und Redlichkeit gegeben; diese lass dich vor der herzlosen
Frivolität der Stadtfrauen bewahren. Überlass dich nicht dem Müssiggange der
Grossstädterinnen, er gereicht ihnen zum Fall, und gebiert jene unleidliche
Rastlosigkeit, der nirgend wohl ist. Als ein vorzüglich gutes Stärkungsmittel
empfehl ich dir, alle deine Gedanken und Empfindungen, über die dir auffallenden
Gegenstände, in ein Tagbuch aufzufassen. Solltest du gleich dadurch in
Ängstlichkeit und Peinlichkeit verfallen, so ist
