 Träger treten herein, um mich aufzuladen: tragt mich fort!
sprech ich weinend: nur sagt meinem Heinrich, wo ihr mich hinlegt! - O warum
kamst du, mich in meinen Todesgedanken zu stören?
    Herrmann. Nicht bloß stören, verscheuchen will ich sie! - Betrachte dich als
eine Auferstandne, von der Liebe aus dem Todesschlafe des Kummers erweckt! Diese
Hand, deren Druck die deinige erwärmt, bietet dir ein kleines Glück, das
freilich ein zufriednes Herz fodert, um ein Glück zu heißen! aber Ulrike, Liebe
und Mäßigkeit sollen uns jeden Groschen verdoppeln, Freude den sparsamen Bissen
würzen und Zufriedenheit unsern Acker zum Königreiche machen. Wir werden durch
den Trauring vereinigt, sobald es deine Schwäche zulässt: ich kaufe ein kleines
Bauergut; und Ulrike, hat uns dann nicht der Himmel einen Wunsch gewährt, den
wir in jener Nacht der Liebe taten?
    Ulrike. Die Wonne ist zu groß, als dass ich sie glauben sollte: meine Brust
ist zu enge für sie. - Aber gewiss, Heinrich! ich werde sie nicht erleben, werde
vielleicht den ersten Morgenschimmer dieses Glücks sehen und sterben.
    Herrmann. Neu verjüngt leben, willst du sagen! Wir wollen ganz werden, wozu
die Natur den Menschen bestimmte - den Acker bauen und uns lieben! Bedenke,
welche herrliche Auftritte auf uns warten! Auftritte, so schön du sie dir nie in
deinem Arkadien auf dem Schloss deines Onkels dachtest!
    Ulrike. Die Freude wird mich töten, so gewaltig ergreift sie mein Herz bei
deiner Beschreibung. Du bist mir wie ein Bote des Lebens, der einem Gafangenen
auf Tod den finsteren Kerker öffnet: wie eine Sonne hast du alle Bilder in meinem
düstern Gehirn erleuchtet: - Ach! wenn dies nur ein glänzender Traum wäre, den
der Tod hinwegraffte!
    Herrmann. Nennst du einen Traum, was man in der Hand hält? - So fest, so
wirklich, als meine Hand die deinige fasst, so wirklich fassen wir auch unser
Glück. - Welch ein Himmel, wenn unter den kleinen wirtschaftlichen Sorgen im
überfliessenden Genuße der Liebe und Wonne unser Leben dahineilt wie ein
freundschaftliches, muntres Gespräch! Wenn ich hinter dem Pfluge dahinschreite
oder den Samen für das künftige Brot ausstreue oder mit dir die Garben sammle
und einführe und dann in der Sonnenhitze deine Hand mir den Schweiß abtrocknet,
deine Hand mir den Trunk reicht, der mich laben soll! Wenn ich nur für dich
Beschwerlichkeiten trage, für dich säe, für dich ernte! Wie wird dieser Gedanke
alle meine Nerven anspannen, meinen Schultern die Last erleichtern und den
Händen das Grabscheit oder die schwere Hacke zum leichten Spane machen! - Wir
wollen ganz Landleute sein, wie es sich gehört, nicht wie faule Müßiggänger die
