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    N.S. Um acht Uhr des Morgens kommt der Wagen nach ihm; um neun ist er gewiss
nicht mehr hier.
                                  Sie an Ihn.
    Gestern, lieber Mann meiner Seele! Einziger! habe ich den Geburtstag unserer
Liebe gefeiert. Im Buche der Lebenden, das vor dem Throne Gottes liegt, sind wir
gewiss von Anbeginn in einer Reihe zusammengeschrieben. Ich zittere und freue
mich. Es schaudert mich und ich bin entzückt, da ich an das zurückdenke, was
gestern neu geboren ward. Der erste Kuss und mit ihm der Schwur: »Ewig mein!« ich
habe meinen Schutzengel sehr gebeten, es dir einzuflößen, was ich gestern
empfunden habe, es ist unausschreiblich! Denkst du auch noch zurück? Unsere
Augen waren die ersten Bekannten; sie waren immer zusammen, wenn sie sich
erreichen konnten. Eh man sich liebt, ist das Auge, wie du sagst, als eine Sonne
mit Wolken belagert. Die Liebe steckt das Auge an, zuvor ist es eine
unangezündete Kerze. Kaum brennt's, so ist auch der ganze Mensch hell. - Alles
stufenweise in der Liebe! Nach dem Blick eine Berührung. Ich denke noch oft
daran, wenn sich unsere Finger berührten, da du mir was reichtest, oder ich dir
- die Funken spritzten mir bis in die Seele, so oft wir so Feuer anschlugen, und
da ich dein Glas wie aus Versehen nahm, und du das meinige, und da ich mit gutem
Bedacht an eben der Stelle trank, wo du getrunken hattest. Himmel, was trank
ich! ich trank dich, ich war von dir betrunken, und mein ganzes Blut ward davon
entzündet. Endlich das hohe Fest, dessen Jahrestag gestern war! Sprachen wir
oder sprachen wir nicht? Ich glaube: Nein. Sprache und Liebe bestehen nicht
sonderlich, das habe ich oft erfahren. Die Sprache ist ein ungetreuer
Dienstbote. Gott, wie du mich küsstest und drei Blüten vom Baume herabfielen, um
diesen Ort zu heiligen, und die Nachtigall schlug, und wir dies alles nur halb
sahen, nur halb hörten, bis wir uns von diesem Kusse erholt hatten! O Mann, o
lieber Mann! welch ein Fest! Wie hab' ich gebetet, dass Gott mit unserer Liebe
sei! Er, der die Liebe ist, sei mit unserer Liebe! Er weiß das Ja, das wir
stammelnd vor seinem Angesichte ablegten, die Sonne beschien es, der Altar war
mit Vergissmeinnicht bordirt und mit Blumen geschmückt, die so schön
zusammenstanden, als ob sie auch untereinander vermählt und zusammen getraut
wären. An diesem Tage, lieber Mann! müssen wir auch einmal, wenn Zeit und Stunde
ist, vor der Welt zusammengegeben werden. Dieser
