 Erschöpfung der Kräfte durch Schmerz und Gefahren erdulden, sich
kränken, verfolgen, martern, erwürgen müssen, damit der kleine Rest, der der
Gefahr und dem ganzen tollen Spiele der Welt entrann, sich lieben und in Friede
bei einander wohnen könne; durchwebte sie dieses Leben mit Dornen, um uns die
einzeln blühenden Blümchen desto wohltuender, einnehmender zu machen; gab sie
ihren Geschöpfen eine so traurige Fruchtbarkeit, dass sie mehrere ihres Gleichen
hervorbrachten, als nach der Veranstaltung des Schicksals ernährt und erhalten
werden konnten: - mag sie es verantworten! Ich kann nicht mit ihr rechten: denn
- unglücklich genug! - wir haben keinen Richterstuhl, der über uns erkennt; der
Mensch, ihre Kreatur, muss leiden, weil er der schwächere, weil er nichts ist. -
O Akante! warum sollten wir uns nach Hilfe umsehen? Um noch einmal so lange
unter Schlangen, Eidexen, Skorpionen herumzukriechen? Haben wir nicht Bisse und
Stiche genug bekommen? - Lass das verächtliche Geschlecht, das zum Quälen
allzeit, und zur Hilfe nie bei der Hand ist, lass es! Wir wollen ihn fluchen und
sterben! -
    Mit diesen schwarzen Gedanken fasste er sie halb sinnlos in die Arme; sie
weinte, er fluchte; sie dachte an alle Örter der Freude zurück, wo sie jemals
in Lust und Entzücken geschwommen hatte. - O wie schön, dachte sie, war es im
Serail des großen Fali! wie schön bei dem Markgrafen von Saloica, ob ich gleich
alle meine Schönheiten dort einbüsste! wie schön bei Alexander dem sechsten! wie
schön überhaupt in Europa in den Armen meiner Geliebten, Belphegors und Fromals
und Stentors und Bavs und Mäos und Euphranors und andrer schönen Jünglinge! Ach,
die glückliche Zeit ist vorüber; und hier soll ich nun auf dieser dürren öden
Insel ohne Gesang und Klang - nicht einmal begraben, sondern vermodern und von
den Vögeln des Himmels zerstückt werden! Kein Jüngling soll eine einzige Strophe
auf meinen Hintritt singen! kein Liebhaber eine Träne auf meine erblassten
Wangen tröpfeln und sie wieder aufküssen! - Nichts, alles nichts! alles nichts!
alles ist aus! Ich muss sterben, unbeklagt sterben! - Belphegor, du hast Recht:
das lächerliche törichte Leben ist nicht wert, dass man es durchlebt, weil man
es so bald missen muss. Ich habe von Heiden, Juden und Christen leiden müssen,
und die gräulichen Keile waren alle eins: aber ich habe auch Freuden genossen,
und da ich sie wieder zu erlangen hoffe, so soll ich gar sterben! sie auf ewig
missen! - O du tolles abgeschmacktes Leben! wärst du nur schon vorüber! - Sie
weinte bitterlich.
    Beide wollten sterben; allein da der Tod mit seiner saumseligen Hilfe nicht
