, und meinen Staub zerstreuen! Aber noch nicht ganz reif
ist die Frucht; noch nicht genug getroffen vom heißen Stral der Liebe. -
    Schön bist du, mein Bräutigam! Deine Wangen sind rosenrot; blau dein Auge,
wie der Mittagshimmel; mild dein Lächeln, wie die Abendsonne; golden sind deine
Locken, wie die goldbesäumten Wolken, wenn die Sonne sinkt. Der du jetzt schon so
lieblich bist, wie wirst du einst geschmückt sein in den Tagen der Belohnung!
Wie einhergehn unter Engeln und Gerechten!
    Ich bin blass geworden wie die Lilie des Gartens, und mein Haupt senkt sich
zur Erde. Meine Mutter weint und traurt: Ach meine Tochter, warum bist du blass
geworden, wie die Lilie des Gartens? Warum senket sich dein Haupt zur Erden? -
Ach meine Mutter, lass mich schweigen, und mein Leid nicht kund tun! Ach, ich
kann nicht reden; lass mich schweigen, Mutter! Bringt die welke Blum' in
Schatten, dass sie wieder aufleb in der kühlen Dämmerung des Klosters! Warum
willst du trauren, meine Tochter, in der Einsamkeit des Klosters? Warum soll ich
einsam sein mit deinem Vater, und nicht blühen sehen deine Schönheit, dass sich
unser Herz daran ergötze!
    Ach, mein Vater, meine Mutter trauren, und ich darf nicht reden. Meine
Schönheit kann nicht blühen vor euren Augen. Saht ihr nie die Rose, wie sie
welkte, weil ein Wurm in ihrem Busen nagte? Meine Schönheit kann nicht blühn vor
euren Augen.
    Ich will eine Braut des Himmels werden, und flehen meinen Bräutigam, dass er
Ruhe sende meinem Vater, und dem Herzen meiner Mutter! Gerne will ich leiden,
wenn nur sie getröstet werden. Aber, Mutter, ich kann nicht reden!
 
                                       *
                                 Im September.
    Gesegnet seist du, mein Erwählter, dass du heute freundlich gesprochen hast
mit meiner Seele; dass du wahrgenommen meine bleichen Wangen, und geseufzt hast
über meine Blässe! O, wie war mir so wohl, als ich an deiner Seite ging im
Garten, als ich dacht' ans Paradies, wo ich auch einst mit dir gehen, und dir
sagen werde, dass ich dein war auf der Welt, und um deinetwillen duldete. Du
lobtest mich, Geliebter, dass ich auch ins Kloster geh, wie du. Ach, dein Lob ist
mir so lieb, du Auserwählter, und ich durft es dir nicht sagen. Alles, alles
will ich dir im Paradiese sagen. Dann wird meine Stimme nicht mehr beben; meine
Wange nicht mehr glühen. Meine Seele wird dir sagen, dass sie dein ist; dass sie
Gott zur Freundin schuf, für dich.
                                       *
                              Am 26sten September.
    Ich habe deinen
