, du liebst mich nicht,
Erwählter, und ich liebe dich doch über alles. - Singt mir ein Todtenlied, ihr
Gespielinnen der Jugend! Ihr Vertraute meiner Kinderjahre, kommt und hängt den
Flor um, und singt: Sie liebte, wurde nicht geliebt, und starb. - Horch! das
Käuzlein ruft herab vom Kirchturm! Hu! ich zirtre. - Schön war der Abend, mein
Erwählter! Deine Flöte klang süß, wie das Lied der Liebe. Hell schien der Mond,
aber traurig. Ach, ich sah ihn wohl, wie er hinter eine Wolke trat und weinte.
Aber du hasts nicht gesehen, wie ich mit ihm weinte. Lieblich sang die
Nachtigall, aber traurig. Ich hört es wohl, und dachte, der arme Vogel liebt wie
ich; aber, du Erwählter, dachtest's nicht. Wehmütig warst du, wie ein Liebender,
und liebtest nicht. Tränen flossen dir vom Aug, und Liebe hieß sie nicht
fließen. - Sagen wollt ichs dir, dass ich dich liebe. Meine Stimme zitterte und
ward ein Seufzer. O ein Engel Gottes hielt das Wort zurück, das dich betrübt,
mich nichts geholfen hätte, denn du liebst nicht; wünschest nie zu lieben. -
    Ins Kloster willst du gehen, mein Auserwählter, willst ein Heiliger werden,
und bist schon so heilig. Aber ich bins nicht; Liebe stammt in meinem Herzen.
Gott du weist es, fromme Liebe; aber dennoch Liebe, und er liebt nicht. Nun so
will ich dann hingehn, wo mein Auserwählter hingeht! will vor Gott treten, und
mich heiligen. Nimm mich an um seinetwillen, weil er heilig ist, o Gott! Süsser
Trost des Klosters und der Einsamkeit! träufle herab in mein Herz; erfüll es
ganz! - O wie will ich sitzen in der Einsamkeit und weinen, bis der Tag kommt
der Erlösung! - Du bist heilig; ich will heilig werden, dass ich deine Braut sei,
wenn der Tag kommt der Erlösung.
 
                                       *
                                   Im August.
    Lang hab ich dich schon nicht gesehen, mein Erwählter, und doch bist du
schön, wie die Liebe, und mein Herz hängt fest an dir, und ewig. Aber ich will
dulden in der Stille, und dich Gott nicht rauben, dem du dienen willst im
Kloster. Im Himmel will ich deine Braut sein, und mich heiligen auf Erden. -
Schön bist du, mein Geliebter; blühst wie die Rose, die am Morgen aufwacht im
Tau. Blass bin ich, und welke, wie die Rose, die des Abends hin sinkt in der
Sonnenhitze, und ihre Blätter flattern aus einander, wenn der Sturm kommt.
Möcht' er bald aufstehn
