 nahm immer in
Gesellschaft die Mine der gnädigen Frau an, und bewegte sich nicht von ihrer
Stelle. dabei war ihr der saftige Scherz der Edelleute viel zu angenehm; sie
konnte hier alle ihre Gaben auskramen, und das ihrige treulich hinzutun. Regine
gab im Garten Kronhelm selbst ihre Hand, und sagte: Lassen Sie uns hier, statt
des ewigen Gelerms, der stillen und ruhigen Natur genießen! Ich bin des
Aufenthalts bei meinem Großpapa so satt, dass ichs Ihnen nicht genug sagen kann.
Und nun ist noch der abgeschmackte Silberling da. Ich kann ihn nicht anders
nennen, so gern ich auch von andern sonst gelind urteile. Den ganzen Tag hüpft
er um mich her, und ich bin keinen Augenblick vor ihm sicher.
    Siegwart. Erlauben Sie, ist er schon lang bei Ihnen, gnädiges Fräulein?
    Regina. Bald vierzehn Tage; und wie lang's noch währen wird? weiß der
Himmel.
    Kronhelm. Darf ich mich erkühnen, Sie zu fragen, wenns nicht zu verwegen
ist, hat er Absichten auf Sie?
    Regina. Ich weiß nicht, Herr von Kronhelm! Aber soviel kann ich sagen, dass
ich keine auf ihn habe. Wenn er mir auch weniger missfiele, so würd ich doch
Bedenken tragen, in die Stadt zu gehen. Ich bin sie so überdrüssig geworden, und
das Land, mit aller seiner Ruhe, zieht mein Herz so sehr an sich, dass ich nur da
recht lebe. Tausendmal, Herr Siegwart, hab ich mit Ihrer lieben Schwester drüber
gesprochen, und mich ganz in Träumereien vertieft.
    Siegwart. Ja, sie ist auch ganz Ihrer Meinung, gnädges Fräulein, und zieht
das Land allem andern vor.
    Regina. Denken Sie sich einmal, Herr von Kronhelm - denn ich weiß, Sie
lieben auch das Land - was das schön ist? Zwei Seelen, die einander über alles
lieben, und nun hier, der Welt unbekannt, in stiller Ruhe leben! Die ganze
Gegend, mit allen ihren Reizen blüht für sie. Ungestört betrachten sie alle
Schönheiten und Veränderungen der Natur. Kein Stadtgerücht, keine Verleumdung
naht sich ihnen. Was müssen sie auf einsamen Spatziergängen fühlen, wenn alle
Vögel sich beeifern, Entzücken in ihr reines Herz zu singen; wenn ihr ländliches
Mahl aus lauter Früchten besteht, die sie selbst gepflanzt haben; wenn die
Abendsonn' in ihre Sommerlaube glänzt, und die Blumen um sie her düften? Wenn
dann das himmelvolleste Gefühl der Zärtlichkeit aus ihnen weint; was denken Sie
von einem solchen Paar, Herr von Kronhelm?
    Kronhelm. Dass es recht glücklich sein muss, gnädiges Fräulein!
    Regina. Recht glücklich? Weiter nichts? Warum so kalt, Herr von Kronhelm?
Sind Sie immer so?
    Kronhelm
