 niemand für einen da ist, so ist man schon glücklich, schließlich von
jemandem angehört zu werden. Ich habe Sie schon unten im Saal gesehen, ich kam
gerade, um die Frau Oberköchin zu holen, als sie Sie in die Speisekammer
wegführte.«
    »Das ist ein schrecklicher Saal«, sagte Karl.
    »Ich merke es schon gar nicht mehr«, antwortete sie. »Aber ich wollte nur
sagen, dass ja die Frau Oberköchin so freundlich zu mir ist, wie es nur meine
Mutter war. Aber es ist doch ein zu großer Unterschied in unserer Stellung, als
dass ich frei mit ihr reden könnte. Unter den Küchenmädchen habe ich früher gute
Freundinnen gehabt, aber die sind schon längst nicht mehr hier, und die neuen
Mädchen kenne ich kaum. Schließlich kommt es mir manchmal vor, dass mich meine
jetzige Arbeit mehr anstrengt als die frühere, dass ich sie aber nicht einmal so
gut verrichte wie die, und dass mich die Frau Oberköchin nur aus Mitleid in
meiner Stellung hält. Schließlich muss man ja wirklich eine bessere Schulbildung
gehabt haben, um Sekretärin zu werden. Es ist eine Sünde, das zu sagen, aber oft
und oft fürchte ich, wahnsinnig zu werden. Um Gottes willen«, sagte sie
plötzlich viel schneller und griff flüchtig nach Karls Schulter, da er die Hände
unter der Decke hielt, »Sie dürfen aber der Frau Oberköchin kein Wort davon
sagen, sonst bin ich wirklich verloren. Wenn ich ihr außer den Umständen, die
ich ihr durch meine Arbeit mache, auch noch Leid bereiten sollte, das wäre
wirklich das Höchste.«
    »Es ist selbstverständlich, dass ich ihr nichts sagen werde«, antwortete
Karl.
    »Dann ist es gut«, sagte sie, »und bleiben Sie hier. Ich wäre froh, wenn Sie
hierblieben, und wir könnten, wenn es Ihnen recht ist, zusammenhalten. Gleich,
wie ich Sie zum erstenmal gesehen habe, habe ich Vertrauen zu Ihnen gehabt. Und
trotzdem - denken Sie, so schlecht bin ich - habe ich auch Angst gehabt, die
Frau Oberköchin könnte Sie an meiner Stelle zum Sekretär machen und mich
entlassen. Erst wie ich da lange allein gesessen bin, während Sie unten im Büro
waren, habe ich mir die Sache so zurechtgelegt, dass es sogar sehr gut wäre, wenn
Sie meine Arbeiten übernähmen, denn die würden Sie sicher besser verstehen. Wenn
Sie die Besorgungen in der Stadt nicht machen wollten, könnte ich ja diese
Arbeit behalten. Sonst aber wäre ich in der Küche gewiss viel nützlicher,
besonders da ich auch schon etwas stärker geworden bin.«
    »Die Sache ist schon geordnet«, sagte Karl, »ich werde Liftjunge und Sie
