, »er nimmt die Stelle an, nicht wahr, K.?« So konnte K.
seine Erklärung auf ein einfaches »Ja« beschränken, das nicht einmal an den
Lehrer, sondern an Frieda gerichtet war. »Dann«, sagte der Lehrer, »bleibt mir
nur noch übrig, Ihnen Ihre Dienstpflichten vorzuhalten, damit wir in dieser
Hinsicht ein für allemal einig sind; Sie haben, Herr Landvermesser, täglich
beide Schulzimmer zu reinigen und zu heizen, kleinere Reparaturen im Haus,
ferner an den Schul-und Turngeräten selbst vorzunehmen, den Weg durch den Garten
schneefrei zu halten, Botengänge für mich und das Fräulein Lehrerin zu machen
und in der wärmeren Jahreszeit alle Gartenarbeit zu besorgen. Dafür haben Sie
das Recht, nach Ihrer Wahl in einem der Schulzimmer zu wohnen; doch müssen Sie,
wenn nicht gleichzeitig in beiden Zimmern unterrichtet wird und Sie gerade in
dem Zimmer, in welchem unterrichtet wird, wohnen, natürlich in das andere Zimmer
übersiedeln. Kochen dürfen Sie in der Schule nicht, dafür werden Sie und die
Ihren auf Kosten der Gemeinde hier im Wirtshaus verpflegt. Dass Sie sich der
Würde der Schule gemäß verhalten müssen und dass insbesondere die Kinder, gar
während des Unterrichts, niemals etwa Zeugen unliebsamer Szenen in Ihrer
Häuslichkeit werden dürfen, erwähne ich nur nebenbei, denn als gebildeter Mann
müssen Sie das wissen. In Zusammenhang damit bemerke ich noch, dass wir darauf
bestehen müssen, dass Sie Ihre Beziehungen zu Fräulein Frieda möglichst bald
legitimieren. Über dies alles und noch einige Kleinigkeiten wird ein
Dienstvertrag aufgesetzt, den Sie gleich, wenn Sie ins Schulhaus einziehen,
unterzeichnen müssen.« K. erschien das alles unwichtig, so, als ob es ihn nicht
betreffe oder jedenfalls nicht binde; nur die Grosstuerei des Lehrers reizte ihn,
und er sagte leichthin: »Nun ja, es sind die üblichen Verpflichtungen.« Um diese
Bemerkung ein wenig zu verwischen, fragte Frieda nach dem Gehalt. »Ob Gehalt
gezahlt wird«, sagte der Lehrer, »wird erst nach einmonatigem Probedienst
erwogen werden.« - »Das ist aber hart für uns«, sagte Frieda. »Wir sollen fast
ohne Geld heiraten, unsere Hauswirtschaft aus nichts schaffen. Könnten wir nicht
doch, Herr Lehrer, durch eine Eingabe an die Gemeinde um ein kleines sofortiges
Gehalt bitten? Würden Sie dazu raten?« - »Nein«, sagte der Lehrer, der seine
Worte immer an K. richtete. »Einer solchen Eingabe würde nur entsprochen werden,
wenn ich es empfehle, und ich würde es nicht tun. Die Verleihung der Stelle ist
ja nur eine Gefälligkeit Ihnen gegenüber, und Gefälligkeiten muss man, wenn man
sich seiner öffentlichen Verantwortung bewusst bleibt, nicht zu weit
