 Besprechung war? Das ist nicht übel. Und warum
denn ein Protokoll? War es denn eine amtliche Handlung?« - »Nein«, sagte der
Lehrer, »eine halbamtliche, auch das Protokoll ist nur halbamtlich; es wurde nur
gemacht, weil bei uns in allem strenge Ordnung sein muss. Jedenfalls liegt es nun
vor und dient nicht zu Ihrer Ehre.« K., der den Kamm, der ins Bett geglitten
war, endlich gefunden hatte, sagte ruhiger: »Mag es vorliegen. Sind Sie
gekommen, mir das zu melden?« - »Nein«, sagte der Lehrer, »aber ich bin kein
Automat und musste Ihnen meine Meinung sagen. Mein Auftrag dagegen ist ein
weiterer Beweis der Güte des Herrn Vorstehers; ich betone, dass mir diese Güte
unbegreiflich ist und dass ich nur unter dem Zwang meiner Stellung und in
Verehrung des Herrn Vorstehers den Auftrag ausführe.« K., gewaschen und gekämmt,
saß nun in Erwartung des Hemdes und der Kleider bei Tisch; er war wenig
neugierig auf das, was der Lehrer ihm brachte; auch war er beeinflusst von der
geringen Meinung, welche die Wirtin vom Vorsteher hatte. »Es ist wohl schon
Mittag vorüber?« fragte er in Gedanken an den Weg, den er vorhatte, dann
verbesserte er sich und sagte: »Sie wollten mir etwas vom Vorsteher ausrichten.«
- »Nun ja«, sagte der Lehrer mit einem Achselzucken, als schüttle er jede eigene
Verantwortung von sich ab. »Der Herr Vorsteher befürchtet, dass Sie, wenn die
Entscheidung Ihrer Angelegenheit zu lange ausbleibt, etwas Unbedachtes auf
eigene Faust tun werden. Ich für meinen Teil weiß nicht, warum er das
befürchtet; meine Ansicht ist, dass Sie doch am besten tun mögen, was Sie wollen.
Wir sind nicht Ihre Schutzengel und haben keine Verpflichtung, Ihnen auf allen
Ihren Wegen nachzulaufen. Nun gut. Der Herr Vorsteher ist anderer Meinung. Die
Entscheidung selbst, welche Sache der gräflichen Behörden ist, kann er freilich
nicht beschleunigen. Wohl aber will er in seinem Wirkungskreis eine vorläufige,
wahrhaftig generöse Entscheidung treffen, es liegt nur an Ihnen, sie anzunehmen:
Er bietet Ihnen vorläufig die Stelle eines Schuldieners an.« Darauf, was ihm
angeboten wurde, achtete K. zunächst kaum, aber die Tatsache, dass ihm etwas
angeboten wurde, schien ihm nicht bedeutungslos. Es deutete darauf hin, dass er
nach Ansicht des Vorstehers imstande war, um sich zu wehren, Dinge auszuführen,
vor denen sich zu schützen für die Gemeinde selbst gewisse Aufwendungen
rechtfertigte. Und wie wichtig man die Sache nahm! Der Lehrer, der hier schon
eine Zeitlang gewartet und vorher noch das Protokoll aufgesetzt hatte, musste
