 Unerfahrenheit zeigst! Selbst jemand, der gar nichts von dem
Verhältnis zu Klamm wüsste, müsste an ihrem Wesen erkennen, dass es jemand geformt
hat, der mehr war als du und ich und alles Volk im Dorfe, und dass ihre
Unterhaltungen über die Scherze hinausgingen, wie sie zwischen Gästen und
Kellnerinnen üblich sind und das Ziel deines Lebens scheinen. Aber ich tue dir
Unrecht. Du erkennst ja selbst sehr gut Friedas Vorzüge, merkst ihre
Beobachtungsgabe, ihre Entschlusskraft, ihren Einfluss auf die Menschen, nur
deutest du freilich alles falsch, glaubst, dass sie alles eigensüchtig nur zu
ihrem Vorteil und zum Bösen verwende oder gar als Waffe gegen dich. Nein, Pepi,
selbst wenn sie solche Pfeile hätte, auf so kleine Entfernung könnte sie sie
nicht abschiessen. Und eigensüchtig? Eher könnte man sagen, dass sie unter
Aufopferung dessen, was sie hatte, und dessen, was sie erwarten durfte, uns
beiden die Gelegenheit gegeben hat, uns auf höherem Posten zu bewähren, dass wir
beide aber sie enttäuscht haben und sie geradezu zwingen, wieder hierher
zurückzukehren. Ich weiß nicht, ob es so ist, auch ist mir meine Schuld gar
nicht klar, nur wenn ich mich mit dir vergleiche, taucht mir etwas Derartiges
auf, so, als ob wir uns beide zu sehr, zu lärmend, zu kindisch, zu unerfahren
bemüht hätten, um etwas, das zum Beispiel mit Friedas Ruhe, mit Friedas
Sachlichkeit leicht und unmerklich zu gewinnen ist, durch Weinen, durch Kratzen,
durch Zerren zu bekommen - so, wie ein Kind am Tischtuch zerrt, aber nichts
gewinnt, sondern nur die ganze Pracht hinunterwirft und sie sich für immer
unerreichbar macht -; ich weiß nicht, ob es so ist, aber dass es eher so ist, als
wie du es erzählst, das weiß ich.« - »Nun ja«, sagte Pepi, »du bist verliebt in
Frieda, weil sie dir weggelaufen ist; es ist nicht schwer, in sie verliebt zu
sein, wenn sie weg ist. Aber mag es sein, wie du willst, und magst du in allem
recht haben, auch darin, dass du mich lächerlich machst, was willst du jetzt tun?
Frieda hat dich verlassen, weder nach meiner Erklärung noch nach deiner hast du
Hoffnung, dass sie zu dir zurückkommt, und selbst wenn sie kommen sollte,
irgendwo musst du die Zwischenzeit verbringen, es ist kalt, und du hast weder
Arbeit noch Bett, komm zu uns, meine Freundinnen werden dir gefallen, wir werden
es dir behaglich machen, du wirst uns bei der Arbeit helfen, die wirklich für
Mädchen allein zu schwer ist, wir Mädchen werden nicht auf uns angewiesen sein
und in der
