 Anstrengung entflohen ist. Denn in jenem
Dienst dort vernachlässigen sich die Mädchen, auch die sonst sorgsamsten. Für
wen sollen sie sich schmücken? Niemand sieht sie, bestenfalls das Personal in
der Küche; welcher das genügt, die mag sich schmücken. Sonst aber immerfort in
ihrem Zimmerchen oder in den Zimmern der Herren, welche in reinen Kleidern auch
nur zu betreten Leichtsinn und Verschwendung ist. Und immer in dem künstlichen
Licht und in der dumpfen Luft - es wird immerfort geheizt - und eigentlich immer
müde. Den einen freien Nachmittag in der Woche verbringt man am besten, indem
man ihn in irgendeinem Verschlag in der Küche ruhig und angstlos verschläft.
Wozu sich also schmücken? Ja, man zieht sich kaum an. Und nun wurde Pepi
plötzlich in den Ausschank versetzt, wo, vorausgesetzt, dass man sich dort
behaupten wollte, gerade das Gegenteil nötig war, wo man immer unter den Augen
der Leute war, und darunter sehr verwöhnter und aufmerksamer Herren, und wo man
daher immer möglichst fein und angenehm aussehen musste. Nun, das war eine
Wendung. Und Pepi darf von sich sagen, dass sie nichts versäumt hat. Wie es sich
später gestalten würde, das machte Pepi nicht besorgt. Dass sie die Fähigkeiten
hatte, welche für diese Stelle nötig waren, das wusste sie, dessen war sie ganz
gewiss, diese Überzeugung hat sie auch noch jetzt, und niemand kann sie ihr
nehmen, auch heute, am Tage ihrer Niederlage, nicht. Nur, wie sie sich in der
allerersten Zeit bewähren würde, das war schwierig, weil sie doch ein armes
Zimmermädchen war, ohne Kleider und Schmuck, und weil die Herren nicht die
Geduld haben zu warten, wie man sich entwickelt, sondern gleich ohne Übergang
ein Ausschankmädchen haben wollen, wie es sich gebührt, sonst wenden sie sich
ab. Man sollte denken, ihre Ansprüche wären nicht gar groß, da doch Frieda sie
befriedigen konnte. Das ist aber nicht richtig. Pepi hat oft darüber
nachgedacht, ist ja auch öfter mit Frieda zusammengekommen und hat eine Zeitlang
mit ihr geschlafen. Es ist nicht leicht, Frieda auf die Spur zu kommen, und wer
nicht sehr acht gibt - und welche Herren geben denn sehr acht? -, ist von ihr
gleich irregeführt. Niemand weiß genauer als Frieda selbst, wie kläglich sie
aussieht, wenn man sie zum Beispiel zum erstenmal ihre Haare auflösen sieht,
schlägt man vor Mitleid die Hände zusammen, ein solches Mädchen dürfte, wenn es
rechtlich zuginge, nicht einmal Zimmermädchen sein; sie weiß es auch, und manche
Nacht hat sie darüber geweint, sich an Pepi gedrückt und Pepis Haare um den
eigenen Kopf gelegt. Aber wenn sie im Dienst ist, sind alle Zweifel
verschwunden
