 und
mutwillig wie ein kleiner Junge. »Dann soll er endlich herüberkommen«, sagte es
wieder; auf Bürgel oder darauf, dass er etwa K. noch benötigen könnte, wurde
keine Rücksicht genommen. »Es ist Erlanger«, sagte Bürgel flüsternd; dass
Erlanger im Nebenzimmer war, schien ihn nicht zu überraschen. »Gehen Sie gleich
zu ihm, er ärgert sich schon, suchen Sie ihn zu besänftigen. Er hat einen guten
Schlaf; wir haben uns aber doch zu laut unterhalten; man kann sich und seine
Stimme nicht beherrschen, wenn man von gewissen Dingen spricht. Nun, gehen Sie
doch, Sie scheinen sich ja aus dem Schlaf gar nicht herausarbeiten zu können.
Gehen Sie, was wollen Sie denn noch hier? Nein, Sie müssen sich wegen Ihrer
Schläfrigkeit nicht entschuldigen, warum denn? Die Leibeskräfte reichen nur bis
zu einer gewissen Grenze; wer kann dafür, dass gerade diese Grenze auch sonst
bedeutungsvoll ist? Nein, dafür kann niemand. So korrigiert sich selbst die Welt
in ihrem Lauf und behält das Gleichgewicht. Das ist ja eine vorzügliche, immer
wieder unvorstellbar vorzügliche Einrichtung, wenn auch in anderer Hinsicht
trostlos. Nun, gehen Sie, ich weiß nicht, warum Sie mich so ansehen. Wenn Sie
noch lange zögern, kommt Erlanger über mich, das möchte ich sehr gern vermeiden.
Gehen Sie doch; wer weiß, was Sie drüben erwartet, hier ist ja alles voll
Gelegenheiten. Nur gibt es freilich Gelegenheiten, die gewissermaßen zu groß
sind, um benützt zu werden, es gibt Dinge, die an nichts anderem als an sich
selbst scheitern. Ja, das ist staunenswert. Übrigens hoffe ich jetzt doch, ein
wenig einschlafen zu können. Freilich ist es schon fünf Uhr, und der Lärm wird
bald beginnen. Wenn wenigstens Sie schon gehen wollten!«
    Betäubt von dem plötzlichen Gewecktwerden aus tiefem Schlaf, noch grenzenlos
schlafbedürftig, mit überall infolge der unbequemen Haltung schmerzhaftem
Körper, konnte sich K. lange nicht entschließen aufzustehen, hielt sich die
Stirn und sah hinab auf seinen Schoss. Selbst die fortwährenden Verabschiedungen
Bürgels hätten ihn nicht dazu bewegen können, fortzugehen, nur ein Gefühl der
völligen Nutzlosigkeit jeden weiteren Aufenthaltes in diesem Zimmer brachte ihn
langsam dazu. Unbeschreiblich öde schien ihm dieses Zimmer. Ob es so geworden
oder seit jeher so gewesen war, wusste er nicht. Nicht einmal wieder
einzuschlafen würde ihm hier gelingen. Diese Überzeugung war sogar das
Entscheidende; darüber ein wenig lächelnd, erhob er sich, stützte sich, wo er
nur eine Stütze fand, am Bett, an der Wand, an der Tür, und ging, als hätte er
sich längst von Bürgel verabschiedet, ohne Gruß hinaus.
 
                             Das neunzehnte Kapitel
Wahrscheinlich wäre er
