 verfolgt. Eine
etwas lästige Pflicht ist es ihm, dich zu versorgen. Von Liebe zu dir ist keine
Spur, er hat es mir offen gestanden, als Geliebte Klamms bist du ihm natürlich
respektabel, und in deinem Zimmer sich einzunisten und sich einmal als kleiner
Klamm zu fühlen, tut ihm gewiss sehr wohl, das aber ist alles, du selbst
bedeutest ihm jetzt nichts, nur ein Nachtrag zu seiner Hauptaufgabe ist es ihm,
dass er dich hier untergebracht hat; um dich nicht zu beunruhigen, ist er auch
selbst geblieben, aber nur vorläufig, solange er nicht neue Nachrichten vom
Schloss bekommt und seine Verkühlung von dir nicht auskuriert ist.« - »Wie du ihn
verleumdest!« sagte Frieda und schlug ihre kleinen Fäuste aneinander.
»Verleumden?« sagte K. »Nein, ich will ihn nicht verleumden. Wohl aber tue ich
ihm vielleicht Unrecht, das ist freilich möglich. Ganz offen an der Oberfläche
liegt es ja nicht, was ich über ihn gesagt habe; es lässt sich auch anders
deuten. Aber verleumden? Verleumden könnte doch nur den Zweck haben, damit gegen
deine Liebe zu ihm anzukämpfen. Wäre es nötig und wäre Verleumdung ein
geeignetes Mittel, ich würde nicht zögern, ihn zu verleumden. Niemand könnte
mich deshalb verurteilen, er ist durch seine Auftraggeber in solchem Vorteil mir
gegenüber, dass ich, ganz allein auf mich angewiesen, auch ein wenig verleumden
dürfte. Es wäre ein verhältnismäßig unschuldiges und letzten Endes ja auch
ohnmächtiges Verteidigungsmittel. Lass also die Fäuste ruhen.« Und K. nahm
Friedas Hand in die seine; Frieda wollte sie ihm entziehen, aber lächelnd und
nicht mit großer Kraftanstrengung. »Aber ich muss nicht verleumden«, sagte K.,
»denn du liebst ihn ja nicht, glaubst es nur und wirst mir dankbar sein, wenn
ich dich von der Täuschung befreie. Sieh, wenn jemand dich von mir fortbringen
wollte, ohne Gewalt, aber mit möglichst sorgfältiger Berechnung, dann müsste er
es durch die beiden Gehilfen tun. Scheinbar gute, kindliche, lustige,
verantwortungslose, von hoch her, vom Schloss hergeblasene Jungen, ein wenig
Kindheitserinnerung auch dabei, das ist doch schon alles sehr liebenswert,
besonders, wenn ich etwa das Gegenteil von alledem bin, dafür immerfort hinter
Geschäften herlaufe, die dir nicht ganz verständlich, die dir ärgerlich sind,
die mich mit Leuten zusammenbringen, die dir hassenswert sind und etwas davon
bei aller meiner Unschuld auch auf mich übertragen. Das Ganze ist nur eine
bösartige, allerdings sehr kluge Ausnützung der Mängel unseres Verhältnisses.
Jedes Verhältnis hat seine Mängel, gar unseres, wir kamen ja jeder aus einer
ganz anderen Welt zusammen, und seit wir einander kennen, nahm das Leben eines
