 sieht ihn dabei vielleicht
an; vorausgesetzt, dass er ohne Zwicker überhaupt sieht, Barnabas bezweifelt es,
Klamm hat dann die Augen fast geschlossen, er scheint zu schlafen und nur im
Traum den Zwicker zu putzen. Inzwischen sucht der Schreiber aus den vielen Akten
und Briefschaften, die er unter dem Tisch hat, einen Brief für dich heraus, es
ist also kein Brief, den er gerade geschrieben hat, vielmehr ist es, dem
Aussehen des Umschlages nach, ein sehr alter Brief, der schon lange dort liegt.
Wenn es aber ein alter Brief ist, warum hat man Barnabas so lange warten lassen?
Und wohl auch dich? Und schließlich auch den Brief, denn er ist ja jetzt wohl
schon veraltet. Und Barnabas bringt man dadurch in den Ruf, ein schlechter,
langsamer Bote zu sein. Der Schreiber allerdings macht es sich leicht, gibt
Barnabas den Brief, sagt: Von Klamm für K., und damit ist Barnabas entlassen.
Nun, und dann kommt Barnabas nach Hause, atemlos, den endlich ergatterten Brief
unter dem Hemd am bloßen Leib, und wir setzen uns dann hierher auf die Bank wie
jetzt, und er erzählt, und wir untersuchen dann alles einzeln und schätzen ab,
was er erreicht hat, und finden schließlich, dass es sehr wenig ist - und das
wenige fragwürdig, und Barnabas legt den Brief weg und hat keine Lust, ihn zu
bestellen, hat aber auch keine Lust, schlafen zu gehen, nimmt die Schusterarbeit
vor und versjetzt dort auf dem Schemel die Nacht. So ist es, K., und das sind
meine Geheimnisse, und nun wunderst du dich wohl nicht mehr, dass Amalia auf sie
verzichtet.« - »Und der Brief?« fragte K. »Der Brief?« sagte Olga. »Nun, nach
einiger Zeit, wenn ich Barnabas genug gedrängt habe, es können Tage und Wochen
inzwischen vergangen sein, nimmt er doch den Brief und geht, ihn zuzustellen. In
solchen Äußerlichkeiten ist er doch sehr abhängig von mir. Ich kann mich
nämlich, wenn ich den ersten Eindruck seiner Erzählung überwunden habe, dann
auch wieder fassen, wozu er wahrscheinlich, weil er eben mehr weiß, nicht
imstande ist. Und so kann ich ihm dann immer wieder etwa sagen:  Was willst du
denn eigentlich, Barnabas? Von welcher Laufbahn, welchem Ziele träumst du?
Willst du vielleicht so weit kommen, dass du uns, dass du mich gänzlich verlassen
musst? Ist das etwa dein Ziel? Muss ich das nicht glauben, da es ja sonst
unverständlich wäre, warum du mit dem schon Erreichten so entsetzlich
unzufrieden bist? Sieh dich doch um, ob jemand unter unseren Nachbarn schon so
weit gekommen
