
befriedigt ihn nicht, und aus verschiedenen Gründen«, sagte Olga, »aber es ist
doch Schlossdienst, immerhin eine Art Schlossdienst, so sollte man wenigstens
glauben.« - »Wie«, sagte K., »sogar darin seid ihr im Zweifel?« - »Nun«, sagte
Olga, »eigentlich nicht; Barnabas geht in die Kanzleien, verkehrt mit den
Dienern wie ihresgleichen, sieht von der Ferne auch einzelne Beamte, bekommt
verhältnismäßig wichtige Briefe, ja sogar mündlich auszurichtende Botschaften
anvertraut, das ist doch recht viel, und wir können stolz darauf sein, wieviel
er in so jungen Jahren schon erreicht hat.« K. nickte, an die Heimkehr dachte er
jetzt nicht. »Er hat auch eine eigene Livree?« fragte er. »Du meinst die Jacke?«
sagte Olga. »Nein, die hat ihm Amalia gemacht, noch ehe er Bote war. Aber du
näherst dich dem wunden Punkt. Er hätte schon längst nicht eine Livree, die es
im Schloss nicht gibt, aber einen Anzug vom Amt bekommen sollen, es ist ihm auch
zugesichert worden, aber in dieser Hinsicht ist man im Schloss sehr langsam, und
das Schlimme ist, dass man niemals weiß, was diese Langsamkeit bedeutet; sie kann
bedeuten, dass die Sache im Amtsgang ist, sie kann aber auch bedeuten, dass der
Amtsgang noch gar nicht begonnen hat, dass man also zum Beispiel Barnabas immer
noch erst erproben will, sie kann aber schließlich auch bedeuten, dass der
Amtsgang schon beendet ist, man aus irgendwelchen Gründen die Zusicherung
zurückgezogen hat und Barnabas den Anzug niemals bekommt. Genaueres kann man
darüber nicht erfahren oder erst nach langer Zeit. Es ist hier die Redensart,
vielleicht kennst du sie: Amtliche Entscheidungen sind scheu wie junge Mädchen.«
- »Das ist eine gute Beobachtung«, sagte K., er nahm es noch ernster als Olga,
»eine gute Beobachtung, die Entscheidungen mögen noch andere Eigenschaften mit
Mädchen gemeinsam haben.« - »Vielleicht«, sagte Olga. »Ich weiß freilich nicht,
wie du es meinst. Vielleicht meinst du es gar lobend. Aber was das Amtskleid
betrifft, so ist dies eben eine der Sorgen des Barnabas, und da wir die Sorgen
gemeinsam haben, auch meine. Warum bekommt er kein Amtskleid, fragen wir uns
vergebens. Nun ist aber diese ganze Sache nicht so einfach. Die Beamten zum
Beispiel scheinen überhaupt kein Amtskleid zu haben; soviel wir hier wissen und
soviel Barnabas erzählt, gehen die Beamten in gewöhnlichen, allerdings schönen
Kleidern herum. Übrigens hast du ja Klamm gesehen. Nun, ein Beamter, auch ein
Beamter niedrigster Kategorie, ist natürlich Barnabas nicht und versteigt sich
nicht
