 sich entwickeln
und herausbilden ließe, aber auch ihm gab die eigenwillige Sprunghaftigkeit des
Mädchens zu denken. Wenn man eine Rolle mit ihr durchnahm, war sie manchmal ganz
bei der Sache und zeigte die besten Ansätze, aber gleich darauf hatte sie Gott
weiß was für andere Gedanken im Kopf und war zu nichts mehr zu brauchen.
»Strenge künstlerische Zucht tut ihr not«, sagte Werner, »und Abschleifen in
jeder Beziehung. Vielleicht ein rauer Diamant, der die Mühe lohnt, vielleicht
auch nur ein hübscher blanker Kieselstein.«
    Das gab den Käuzen viel zu denken und zu reden. Sie hatten zwar schon häufig
ähnliche Erwägungen gemacht, aber sie waren dabei unter sich gewesen. Das
Problem war sozusagen in der Familie geblieben, jetzt begannen sich auch andere
dafür zu interessieren, das störte und beunruhigte sie.
    Eines Nachmittags saß Henning wieder bei ihnen, und zufällig hatte sich auch
Käte eingestellt, was sonst selten vorkam.
    »Was macht Ihr Diamant?« fragte Henning, »geht es gut vorwärts mit dem
Abschleifen?« Er hatte Elisabet in der letzten Woche nur flüchtig gesehen. Aber
Augustin war herzlich schlechter Laune und sagte mit einem Anflug von
Galgenhumor, der eine neue Erscheinung an ihm war:
    »Nein, wir kommen nicht damit zu Rande. Entweder muss ich jetzt heiraten,
damit das Mädchen eine Art Familie hat, oder man muss sie selbst unter die Haube
bringen, mit einem Mann, der sie zu beeinflussen weiß.«
    Weintrapp und Leidhecker wechselten erstaunte, befremdete Blicke, solche
gewaltsame Scherze lagen sonst gar nicht in seinem Stil. Er fühlte das auch
selbst und lenkte wieder in die gewohnte, an diesem Stammtisch herkömmliche
Redeweise ein:
    »Ich gedachte hiermit keine Frivolität zu sagen, sondern meinte es ganz im
Ernst«, sagte er. »Das Kaffeehaus ist zwar nicht der geeignete Ort, um darüber
zu sprechen, aber da wir hier unter uns sind ... Kurzum, Sie wissen, dass
Elisabet inzwischen einige Bälle besuchte, und bei dieser Gelegenheit hat ein
Herr Sie kennengelernt, der sie zu heiraten wünscht. Ich möchte
selbstverständlich noch keinen Namen nennen, aber er war schon bei mir, hat
nicht grade direkt um sie angehalten, sondern - wie soll ich sagen - mich nur
darauf vorbereitet, dass dieses geschehen würde, sobald er sich ihrer Zustimmung
einigermaßen sicher fühlt ...«
    Käte musste unwillkürlich lachen, dieser vorsichtige Bewerber würde sich
sicher gut mit den Käuzen verstehen. Henning aber ärgerte sich. Da wurde so viel
über das Wohl und Wehe dieses Mädchens geschwätzt, und schließlich war es doch
allen am bequemsten, sie mit dem ersten besten Trottel zu verheiraten. Er hatte
sie gern und fand es schade um sie. Sie war ein
