 es aber doch? Man nehme mir das Beiwerk meines Lebens, an dem
ich nun einmal hänge wie ein Sammler an seinen Raritäten, so bin ich entwurzelt
und tauge zu nichts mehr, es gibt mich überhaupt nicht mehr. Ich brauche das
Haus hier, die Straße, die ich gewöhnt bin, dich und Käte, so wie ihr hier
seid, nicht wie ihr in irgendeiner beliebigen Dreizimmerwohnung kommen und gehen
würdet. Last, not least, Josias und unser Morgenzeremoniell.«
    »Und wenn nun der Alte eines schönen Tages eingeht?«
    »Das tut er nicht - solange alles bleibt, wie es ist, bin ich überzeugt, er
lebt weiter wie der ewige Jude. Wären wir dagegen umgezogen, so würde er sicher
sofort in Staub zerfallen.«
    »Das könnte ich mir ganz gut vorstellen. Übrigens spricht da viel die
Belastung der Herkunft mit. Ihr seid, Herr und Knecht, auf der eigenen Scholle
geboren und lebt dann in ewigem Heimweh wenigstens nach einer unveränderten
Wohnstätte, nach den Leuten, die euch schon als Kinder auf dem Arm getragen
haben und so weiter. Ich kenne so etwas nicht - ich bin einfach da, wo ich bin.
Es würde mich nicht im geringsten berühren, wenn ich von morgen an am
entgegengesetzten Ende der Stadt oder der Welt leben sollte.«
    »Ganz richtig, von der Scholle weg bleibt man immer heimatlos und sucht
etwas Ähnliches oder ein Surrogat dafür. Oder man kann nur gleich ganz weit
fortgehen, in die Tropen zum Beispiel.«
    »Ach, das ist wieder so echt«, sagte Burmann, »in die Tropen gehen. Eine
andere Wohnung suchen ist unmöglich, seine Lebensgewohnheiten ändern
ausgeschlossen, aber nach Afrika oder Australien oder auf den Mond auswandern -
Bagatelle.«
    »Gewiss, das ist auch viel einfacher«, antwortete Henning in tiefstem Ernst.
»Warum hast du denn nie daran gedacht?«
    »Mein Gott«, sagte Erasmus langsam, »was sollte ich dort, solange ich mich
hier wohl fühle. Aber die Käuze haben mir neulich einmal lang und breit davon
gesprochen. Sie meinten, ich passe so gut dorthin. Du weißt ja, wie sie sind,
sie betrachten alles von künstlerischen oder ähnlichen Gesichtspunkten. In
meinem Fall stellen sie sich zum Beispiel ein sonnenheisses Land vor, mitten
darin ein komfortables Klubhaus, und davor sitze ich im weißen Anzug, von
Niggerboys umgeben, die mir mit ungeheuren Palmblättern Kühlung zufächeln. Wenn
weiter nichts dabei zu tun wäre, möchte mir das auch ganz gut gefallen. Die
Käuze treiben es wie einen angenehmen Sport, Menschen und Verhältnisse ausfindig
zu machen, die zueinander stimmen. Sie können sich dann auch wirklich ins Zeug
legen, um diese und
