 du, man ist nicht gewöhnt, von subtileren Gefühlen zu reden, und
deshalb klingt es uns nach Literatur. Aber ich genieße alles das wirklich wie
etwas ganz Neues.« - »Die subtilen Gefühle?« - »Ja ... ich träume von diesem
Mädchen - du musst auch diesen lyrischen Ausdruck verwinden - und davon, dass ich
sie kriegen könnte. Sie hat eben einen ganz seltenen Eindruck auf mich gemacht.
Ich bin fest überzeugt, ich weiß es beinah, dass ich sie wiedertreffe und dass sie
mich auch will. Ich habe also jetzt eine Art Vorfreude mit einiger Unruhe und
Sehnsucht. Mach doch nicht so ein Gesicht ... du hast wirklich keine Fühlfäden
für solche Dinge ...«
    »Wer weiß ...«
    »Aber Käte hat sie«, fuhr Henning unbeirrt fort, »sie geht in jeder
Beziehung mit. Du glaubst gar nicht, wieviel Romantik in ihr steckt, ich hatte
sie immer für ein wenig nüchtern gehalten. Aber wie sie all die Stimmungen
genießt und last not least, wie sie flirten kann. Da ist ein Barkavalier, der
ihr auf Tod und Leben die Kour macht und nicht begreift, was sie an mir findet,
wo wir doch immer so stumpfsinnig miteinander herumsassen ... ich schwärme
einfach für Käte. Überhaupt, früher habe ich mich entweder gelangweilt oder
amüsiert, jetzt bin ich nahezu so etwas wie glücklich - eine Frau, die mich
wirklich reizt, der ich nachlaufe, gewissermaßen wie im Nebel, aber sie wird, so
Gott will, einmal sichtbar werden, und eine, die mir derweil Gesellschaft
leistet und dabei immer sympatischere Seiten entwickelt.«
    »Es wird damit enden, dass ihr zwei euch ineinander verliebt.«
    »Gott bewahre, ich sage dir ja, wir haben nur einen Spleen miteinander.«
    »Ach, Henning, alter Junge, was soll aus dir werden«, sagte Burmann mit
einiger Herzlichkeit. Er wusste selber nicht warum, aber seine Verstimmung begann
zu weichen. »Was man so im allgemeinen einen Charakter nennt, bist du ja nie
gewesen ... bitte, nimm mir das nicht übel.«
    »Weit entfernt, ich weiß es selbst.«
    »Schön - es fällt mir auch nicht ein, dir einen Vorwurf daraus zu machen.
Nur beunruhigt es mich neuerdings, dass du gar so wenig Rückgrat hast. So, wie
dein Leben bisher war, bist du ja ganz gut ohne das ausgekommen. Es waren keine
Widerstände da, und die begehrten Dinge fielen dir schmerzlos in den Schoss. Aber
jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, dich ein wenig zusammenzuraffen und deine
Lage, die sich über kurz oder lang bedeutend verändern wird, ins Auge
