 in der Erwartung her, dass heute eine Verhandlung
sein werde. Mit dem, was ich früher sagte, wollte ich Sie nur bitten, in meinem
Prozess nichts für mich zu unternehmen. Aber auch das muss Sie nicht kränken, wenn
Sie bedenken, dass mir am Ausgang des Prozesses gar nichts liegt und dass ich über
eine Verurteilung nur lachen werde. Vorausgesetzt, dass es überhaupt zu einem
wirklichen Abschluss des Prozesses kommt, was ich sehr bezweifle. Ich glaube
vielmehr, dass das Verfahren infolge Faulheit oder Vergesslichkeit oder vielleicht
sogar infolge Angst der Beamtenschaft schon abgebrochen ist oder in der nächsten
Zeit abgebrochen werden wird. Möglich ist allerdings auch, dass man in Hoffnung
auf irgendeine größere Bestechung den Prozess scheinbar weiterführen wird, ganz
vergeblich, wie ich heute schon sagen kann, denn ich besteche niemanden. Es wäre
immerhin eine Gefälligkeit, die Sie mir leisten könnten, wenn Sie dem
Untersuchungsrichter oder irgend jemandem sonst, der wichtige Nachrichten gern
verbreitet, mitteilten, dass ich niemals und durch keine Kunststücke, an denen
die Herren wohl reich sind, zu einer Bestechung zu bewegen sein werde. Es wäre
ganz aussichtslos, das können Sie ihnen offen sagen. Übrigens wird man es
vielleicht selbst schon bemerkt haben, und selbst wenn dies nicht sein sollte,
liegt mir gar nicht so viel daran, dass man es jetzt schon erfährt. Es würde ja
dadurch den Herren nur Arbeit erspart werden, allerdings auch mir einige
Unannehmlichkeiten, die ich aber gern auf mich nehme, wenn ich weiß, dass jede
gleichzeitig ein Hieb für die anderen ist. Und dass es so wird, dafür will ich
sorgen. Kennen Sie eigentlich den Untersuchungsrichter?« »Natürlich«, sagte die
Frau, »an den dachte ich sogar zuerst, als ich Ihnen Hilfe anbot. Ich wusste
nicht, dass er nur ein niedriger Beamter ist, aber da Sie es sagen, wird es
wahrscheinlich richtig sein. Trotzdem glaube ich, dass der Bericht, den er nach
oben liefert, immerhin einigen Einfluss hat. Und er schreibt soviel Berichte. Sie
sagen, dass die Beamten faul sind, alle gewiss nicht, besonders dieser
Untersuchungsrichter nicht, er schreibt sehr viel. Letzten Sonntag zum Beispiel
dauerte die Sitzung bis gegen Abend. Alle Leute gingen weg, der
Untersuchungsrichter aber blieb im Saal, ich musste ihm eine Lampe bringen, ich
hatte nur eine kleine Küchenlampe, aber er war mit ihr zufrieden und fing gleich
zu schreiben an. Inzwischen war auch mein Mann gekommen, der an jenem Sonntag
gerade Urlaub hatte, wir holten die Möbel, richteten wieder unser Zimmer ein, es
kamen dann noch Nachbarn, wir unterhielten uns noch bei einer Kerze, kurz, wir
vergaßen den Untersuchungsrichter und gingen schlafen. Plötzlich in der
