. Die Leute hier haben in dir schon einen halben Geistlichen gesehen, und
auch die Gutmütigen, die Wohlmeinenden haben von dir eine Aufführung erwartet,
die unserm Stande entspricht. Die andern, und an denen fehlt's nicht, haben sich
natürlich mit einer wahren Freude auf diese Sache gestürzt. Die sind immer
dabei, unserm Stand was anzuhängen, und tun ja so nichts, als aufpassen, ob sie
nicht ein Mäkelchen an uns finden. Darin sehen sie ihre besondere Frömmigkeit
und ein großes Verdienst. Außerdem weißt du ja, dein Vater hat es den Leuten
immer unter die Nase gerieben, dass er besser sei wie sie, weil sein Sohn einmal
Geistlicher werde. Wenn sie ihm jetzt diese Hoffnung vereiteln könnten, hätten
sie noch ein Extravergnügen. Es ist sehr hässlich, dass es solche Charaktere in
einer kleinen Gemeinde gibt, aber es gibt sie, und ich weiß davon genug, dass ich
es behaupten darf.
    Kurz und gut, deine Verfehlung hätt' dir wahrscheinlich oder gewiss die
Laufbahn versperrt, denn was im Gymnasium erfolgt wäre, das weißt du ja selber.
Jetzt schau amal an! Wann du wirklich selber Lust zu unserm Berufe hätt'st, wär
alles verscherzt wegen einer flüchtigen Laune. Weil du nicht die Kraft gehabt
hast, einer Versuchung zu widerstehen.
    Das kannst du dir für dein ganzes Leben merken. Mit einer einzigen Dummheit,
mit einer flüchtigen Schwäche kann die Frucht vieler Jahre verloren gehen und
kann ein ganzes Leben zerstört werden. Nun ist der Fall bei dir ja anders und
wenigstens in seinen Folgen net so schlimm. Du willst Landwirt werden, und für
den Beruf ist die Geschichte nicht so verhängnisvoll, und die Leute werden sie
auch anders beurteilen, wenn sie wissen, dass du den geistlichen Rock nicht
tragen willst. Aber schön ist sie deswegen auch nicht. Man tut net alles, was
einem grad einfallt, man legt sich Rechenschaft ab und verweigert sich das, was
man nach der Stimme seines Gewissens als unrecht erkennt. Wenn du Landwirt wirst
und auf einem größeren Gut lernst, da kommt die Versuchung oft an dich heran.
Gibst du nach, dann verlierst du die Achtung von deinen Vorgesetzten und den
Respekt bei deinen Untergebenen.
    Man muss in jedem Stand ein reinlicher Mensch sein, der seine Pflicht
erfüllt. So, das hab ich dir sagen wollen, und jetzt denk nach darüber, und
wegen dem andern, da will ich sehr bald mit deinem Vater reden. Ich wünsch dir
alles Gute für deine künftige Laufbahn. Und wenn ich dich so anschau, muss ich
sagen, du passt auch besser dafür; als Studiosus warst du mir schon gar zu
ausgewachsen. Adje!«
    Michel zog nach ehrerbietigen Verbeugungen die Türe hinter sich
