 Studenten,
der unsern Burschen beim Fensterln Konkurrenz macht und mit eifersüchtigen
Knechten wahre Schlachten liefert. Ist da was Wahres dran?«
    »Verzeihen, Herr Pfarrer, ich hab mich allerdings verleiten lassen ...«
    »Verleiten? Das is ein Wort, das ich net gern hör. Da steckt so was drin,
als wollt' man die eigene Schuld auf einen andern abwälzen. Ich bin der Ansicht,
wenn man was verbrochen hat, muss man selber dafür einstehen.«
    Der Vorwurf saß.
    Im Michel schoss blitzartig die Erinnerung daran auf, wie gutmütig der
Zotzen-Peter bereit gewesen war, alle Schuld auf sich zu nehmen, und er sah
sogleich, dass er im Begriffe gewesen war, die Kameradschaftlichkeit auf eine
recht jämmerliche Art zu erwidern.
    
    Er verstand, dass sich dieser Rückfall in gewisse unschöne Seminarmanieren
kläglich ausnahm, und er gab sich einen Ruck.
    »Wenn Herr Pfarrer erlauben, ich möcht es nicht auf einen andern schieben.«
    »Das erlaub ich sehr gern. Also g'fensterlt haben wir?«
    »Ja ...«
    »Und sind dabei erwischt worden?«
    »Ja ...«
    »Den weiteren Verlauf kann ich mir schon denken. Nach Ortsbrauch Prügel hin
und Prügel her ...«
    »Ich bin nicht dazu kommen ...«
    »Zum Austeilen? Also bist du bloß leidender Teil geworden?«
    »Eigentlich schon.«
    »No, dann hast du ja schon eine nachdrückliche Belehrung gekriegt, und das,
was ich dir sagen will, hinkt sozusagen hinterdrein. Jetzt sag mir aber, warst
du schon öfter in Ried drüben?«
    »Nein ...«
    »Oder hast sonstwo so Leiterübungen g'macht?«
    »G'wiss net, Herr Pfarrer. Ich hab überhaupt ...«
    »Was überhaupt?«
    »Ich hab gar net recht g'wußt, was ich tu ...«
    »So? No, ungefähr wirst ja eine Ahnung g'habt haben. Jetzt lass dir was
sagen. Wenn du noch im Sinn hätt'st, ins Gymnasium zurück z' gehen, dann wär'
die G'schicht sehr schlimm. Denn wenn ich auch darüber geschwiegen und keine
Anzeige gemacht hätte, wär es doch kaum zu vertuschen gewesen. Es gibt Leute,
männliche und weibliche, die ihren Eifer damit beweisen wollen, dass sie die
Sünden ihrer Nebenmenschen nicht durchgehen lassen, und die unbedingt eine Sühne
haben wollen für das, was andere verbrechen. Ich bin überzeugt, dass dein Rektor
mehr wie eine Zuschrift kriegt, in der deine Geschichte mit den allergrellsten
Farben geschildert wird. Ich weiß das, weil man mir selber die Sache zugetragen
hat
