 Traurigkeit des armseligen
Stadtwinters! Sofort wird sie mit der Schwägerin reden! - Sofort!
    Und sie läuft augenblicklich hinüber in das Speisezimmer, wo die Rätin eben
das Silberbesteck aus dem Schrank nimmt.
    »Schwägerin!«
    »Adele?«
    »Ich hätt' eine Frage.«
    Die Rätin setzt ihren goldenen Kneifer auf die etwas große Hakennase und
schielt hinüber zur Standuhr.
    »Wenn's nicht zu lange dauert, meine liebe Adele; - du weißt, das Essen wird
bald auf den Tisch kommen!«
    Doch das Fräulein Schwägerin macht eine wegwerfende Handbewegung und meint:
»Ah was! Lass es kommen! Ist ohnehin bloß wieder das alte: Grünfutter mit Pomm de
Terr! - Ich möcht' wissen, ob du eigentlich schon an die Sommerfrische gedacht
hast? Ob du was Bestimmtes im Aug' hast?« Sie setzt sich gemächlich aufs Sofa.
    Die Rechtsrätin nimmt den Kneifer wieder ab und seufzt.
    »Nn ... ja ... das heißt ... ich wollte eigentlich mit Rosalie nach
Baden-Baden ... oder sonst in ein Bad ... du verstehst doch, Adele ...«
    Aber das Fräulein versteht durchaus nicht.
    »Ins Bad!« ruft sie aus. »Ins Bad müssen sie! - Jetzt möcht' ich bloß
wissen, was die Rosel in einem Bad soll!«
    »Gott, du weißt doch, Adele ... Es ist doch nur, dass Rosalie ...«
    »Einen Mann kriegt! Natürlich! - Und dazu braucht's ein Bad. Ich sag' dir
bloß, Schwägerin: Sie sind auch in Bädern nicht zu dick gesät, die Dummen!«
    »Adele!«
    »Na ja, sei nur still! - Wenn einer, der von Haus aus schon was Besonderes
ist - der es dann auch noch zu etwas Besserem gebracht hat - also zum Beispiel
zu einem Konsul oder einem Attaché oder was dergleichen Herren mehr sind,... ich
meine, so einer heiratet kein Fräulein Habenichts. Selbst wenn die Mama des
Fräuleins eine von Habenichts war!«
    »Aber Adele! Ich verbitte mir dergleichen!«
    »Ja, ja ... Ich weiß schon, dass ich grob bin. Aber ich sehe, dass deine
beiden andern Töchter mit ihrer vornehmen Heiraterei nicht gut gefahren sind
...«
    »Sind meine Schwiegersöhne nicht Kavaliere?«
    Die Rechtsrätin steht wie eine Trutenne, der man ein Junges nehmen will,
vor der Schwägerin.
    Aber die lässt sich nicht so leicht einschüchtern.
    »Jawohl, Kavaliere«, sagt sie, »das sind sie. Aber wenn ich ein junges,
fesches Mädel wär', niemals würde ich
