, damit solle sie
ihm gefälligst vom Halse bleiben. Verbrechen kenne er nicht. Das sei von den
Leuten ausgedacht, die die Soldaten und die Gerichte dafür bezahlten, ihnen den
Willen zu tun; die, wenn sie es für nützlich befänden, eben die Verbrechen
selber begingen, im Namen des Staats, der Kirche, des Fortschritts oder der
Freiheit. Habe einer die nötige Muskulatur und Schlauheit, so pfeife er auf die
Gesetze. Die gälten bloß für die Dummköpfe und Feiglinge. Müsse der einzelne
sich der Gewalt fügen, so müsse es ihm auch freistehen, sie auszuüben. Riskiere
er die Rache und Strafe der Gesellschaft, so habe er auch das Recht, seine
Gelüste zu befriedigen. Frage sich nur, was er auf seine Schultern nehmen könne,
und ob er sich durch die Flausen und das von Lehrern und Pfaffen vorgekaute
Larifari nicht ins Bockshorn jagen lasse. Käme es auf ihn an, Niels Heinrich
Engelschall, so bliebe kein Stein auf dem andern stehen, alle Regel würde
ausgerottet, alle Ordnung über den Haufen geworfen, alle Städte in die Luft
gesprengt, alle Brunnen zugeschüttet, alle Brücken zerbrochen, alle Bücher
verbrannt, alle Wege zerstört, und Vernichtung würde gepredigt, einer gegen
alle, alle gegen einen, alle gegen alle. Mehr sei die Menschheit nicht wert; das
könne er wohl behaupten, denn er habe sie studiert und durchschaut. Er kenne
bloß Lügner und Gauner, erbärmliche Narren, Geizhälse und Streber; er habe die
gemeinen Hunde kriechen sehen, wenn sie hochkommen wollten, nach oben kriechen
und nach unten kläffen. Er kenne die Reichen mit ihren satten, faulen
Redensarten und die Armen mit ihrer niederträchtigen Geduld. Er kenne die
Bestechlichen und die Nackensteifen, die Prahler und die Düsterlinge, die
Flaumacher und die Blümeranten, die Diebe und die Fälscher, die Weiberhelden und
die Kopfhänger, die Dirnen und ihre Zuhälter, Kupplerinnen und junge Herren, die
Bürgermadams mit ihrer Scheinheiligkeit und ihrer Geilheit, den Neid da und die
Heuchelei dort, und die Maskeraden und das Getue, er kenne alles, und ihm
imponiere nichts, und er glaube an nichts außer an den Gestank und an den Jammer
und an die Habsucht und an die Fresssucht und an die Tücke und an die Bosheit und
an die Wollust. Eine Schandenwelt sei es, und hin werden müsse sie, und wer zu
solcher Einsicht mal gelangt sei, der müsse den letzten Schritt tun, den
allerletzten, wo die Verzweiflung und der Hohn durch sich selber erstickt werde,
wo es nicht weiter gehe, wo man an der stumpfen Hautwand den Engel des Jüngsten
Tages pochen höre, wo das Licht nicht mehr hindringe und auch die Nacht nicht
mehr, wo man allein sei mit seiner Wut,
