 nicht wahrgenommen
hatte, lediglich wegen der Gebärde mit den Händen. Niels Heinrich bemerkte es
und stutzte von neuem.
    Ob das alles sei, was der Herr zu erwidern habe? forschte er finster; der
Herr verstehe sich ja aufs Hochdeutsche, da sei nicht dran zu tippen, und wenn
der Herr wünsche, könne auch er, Niels Heinrich, sich hochdeutsch ins Benehmen
setzen, weshalb denn nicht? Aber wenn man von Familie sei, von einer so
hochnobligen außerdem, wo die Millionenzucht im Schwange sei wie beim Pächter
Rademacher die Kaninchenzucht, sei es schofel, sich zu drücken wie ein
Zechpreller. Man verlange ja nicht gerade die Perlen. Man verzichte auf die
Perlen, obschon er es dahingestellt sein lasse, ob das mit dem leihweisen
Geschenk nicht ein Aufsitzer und blitzblauer Humbug sei, ein Gentleman täte so
was jedenfalls nicht. Aber Abfindung, die verlange man, darauf bestehe man, das
sei man seiner Ehre schuldig, das hätte sich die Verstorbene auch sicherlich so
gedacht.
    Er musterte wieder seine Hände.
    Christian sah ihn aufmerksam an. Er antwortete: »Sie befinden sich auch in
dieser Hinsicht im Irrtum. Ich verfüge nicht über Geldmittel. Meine
Bewegungsfreiheit ist, was das Geld betrifft, geringer als die Ihre, geringer
als die irgendeines Menschen, der durch Arbeit sein Brot verdient.« Er
unterbrach sich, als er das Hohnlächeln Niels Heinrichs wahrnahm. In dem Lächeln
war so viel Gemeinheit, dass es ihn förmlich blendete.
    An die Geschichten glaube er nicht, versetzte Niels Heinrich, und wenn er
dafür sollte gerädert werden; der Herr möge ihm sagen, was dahinter stecke, dann
werde ers vielleicht glauben; aber es müsse ja einer Regenwürmer im Kopfe haben,
um so was zu tun. Der Herr möge ihm sagen, was dahinter stecke, dann gehe ihm
vielleicht ein Seifensieder auf. Dass etwas dahinter stecke, wolle er gerne
glauben; wer konnte wissen, was für schauderbare Sachen der Herr auf dem
Gewissen habe; Herr Papa und Frau Mama verweigerten den Kies und er mache
blümerante Flausen. Aber man könne dem Herrn noch allerlei Widerwärtigkeiten
bereiten; es gebe ohnehin manche, nicht bloß in der Stolpischen Straße, sondern
auch anderswo, denen der Liebeshandel zwischen ihm und der ermordeten Jüdin
nicht recht koscher erscheine; er, Niels Heinrich, wisse dies und das, andre
wüssten andres, der Herr werde gleichfalls seinen Teil wissen, und werde Farbe zu
bekennen haben, wenn man ihm ordentlich auf den Leib rücke. Man brauche bloß an
geeigneter Stelle eine Silbe zu reden, und der Herr werde sich noch deutlicher
als bisher in den Zeitungen gedruckt lesen, in schöner Eintracht mit dem
Blutund Joachim Heinzen. Da liege dann der Hase im Dreck; oder,
