, frass und frass und frass,
Wolken, Menschen, Worte, Lieder, und alles war gut, Schlechtes war gut,
Hässliches war gut, Regenwetter war gut, Dreck von Pfützen war gut, alles war
gut, denn man lebte.
    Er drehte die Sanduhr um und sank auf die Kissen zurück. Da fiel sein Blick
auf eine kleine, graue Spinne, die auf der purpurseidenen Tapete emporkroch. Er
erschrak. Seine jähe Eingebung war die: Es ist möglich, es ist sogar
wahrscheinlich, dass die Spinne noch dasein wird, wenn ich nicht mehr dasein
werde. Dies erschreckte ihn über alle Massen, und er verfolgte das Kriechen des
Insekts mit atemloser Spannung.
    Ist denn das denkbar? grübelte er, die unwichtige, scheussliche Spinne wird
dasein, und ich nicht? Das ist zum Verrücktwerden. Ich habe nie daran geglaubt
und kann und kann nicht daran glauben: Bewusstlosigkeit, Finsternis,
Feuchtigkeit, Erde, Würmer, pfui Teufel. Aber dass die Spinne dasein soll und ich
nicht? Ich nicht, der den ganzen Weltraum ausgefüllt hat mit seinem Rumpf und
Kopf und Beinen? Gibt es eine Philosophie, eine Religion, eine Überzeugung, die
daran nicht zum faustdicken Schwindel wird? Gesetzt den Fall, es hätte einer die
Macht, mich leben zu lassen, und ich sollte dafür Strassenkehrer sein, Bettler
sein, Sträfling sein, verachtet, bucklig, lächerlich, impotent, - mir scheint
beinah, ich würde leben wollen, sogar um diesen Preis. Herrgott, wohin gelang
ich denn? Ich bin doch ein Kerl, der auf Ehre und Sauberkeit gehalten hat, was
für Schmählichkeiten sind denn das? Bin ich vielleicht je gekniffen, wenn mir
einer zu nah getreten ist? Hab ichs versäumt, im entscheidenden Moment meinen
Mann zu stellen? Und doch, ich würde leben wollen, um jeden Preis leben.
Seelenschmerz? Was ich mir daraus mache! Her damit; Kummer, Enttäuschung,
Verbitterung, Hass, Verluste, so viel ihr wollt, nur leben, nur leben!
    Eine Stunde später wurde Weikhardt gemeldet. Imhof überlegte, ob er ihn
empfangen solle; in den letzten Tagen hatte er alle Besucher abweisen lassen.
Den Maler fortzuschicken, den er immer besonders gut hatte leiden mögen, konnte
er sich nicht entschließen.
    »Ist es Eliphas, Bildad oder Zophar, der zu Hiob kommt?« redete er Weikhardt
an; »Sie wissen doch: - als sie von ferne ihre Augen erhoben, erkannten sie ihn
nicht; da weinten sie, zerrissen jeder sein Gewand und streuten Staub auf ihre
Häupter himmelwärts.«
    Weikhardt schmunzelte, aber als sich seine Augen an das Dämmerdunkel gewöhnt
hatten und er das entfleischte Gesicht gewahrte, verging ihm der Spott.
