 resigniert und
drückte wieder die Hände an die Kacheln.
    Amadeus' Blick fiel auf ihre Hände, die blau vor Kälte waren. »Sie frieren,«
murmelte er, »Sie frieren immer.«
    »Ja, ich friere viel. Es fehlt mir Sonne.«
    »Von Findelkindern heißt es, sie könnten sich nie recht erwärmen. Aber Sie
sind doch keins. Im Gegenteil, ich stelle mir vor, dass Ihre Kindheit eine
Brutstätte der Betreuung war. Gewiss hat man die Zimmer überheizt und nachts die
Wärmflasche ins Bett getan und Sanatogen und Arsenik verschrieben. Doch Ihre
Seele fror immer ärger, je mehr man ihr von der Materie aus beizukommen suchte.
Dem Leibe nach sind Sie kein Findelkind, da liegt eine unanzweifelbare
bürgerliche Deszendenz vor; nur Ihre Seele, die ist wahrscheinlich eine
Findelseele. Solche gibt es. Es flattern sehnsüchtig Seelen im Weltraum,
beständig zwischen Paradies und Hölle auf und ab, und die Frage ist, ob ihnen
ein Engel oder ein Dämon ihr irdisches Asyl anweist. Die meisten geraten in den
falschen Körper; aus lauter Ungeduld nach einer sterblichen Hülle fallen sie
einem Dämon in die Klauen und bleiben ihm zeitlebens tributpflichtig. Das sind
die Findelseelen.«
    »Sie schwatzen Unsinn,« sagte Johanna; »erzählen Sie mir lieber von ihm.«
    »Von ihm? Ich sagte ja schon: er ist vielseitig verstrickt. Das Weib, die
Karen, ist krank; der wird schwerlich wieder aufzuhelfen sein. Vergeltung,
Vergeltung. Lasterschuld wird eingefordert. Taumeln sollen sie und irre werden
von dem Schwerte, das ich unter sie senden will, heißt es. Nun, er pflegt sie.
Er wacht in den Nächten und pflegt sie. Eine andre wohnt im Hause, ein jüdisches
Mädchen, mit der zieht er herum, besucht allerlei Leute, spielt den
Vorstadteiligen, bloß dass er nicht predigt. Predigen ist ja seine Sache nicht,
er ist stumm, und das ist ein Segen. Noch nie war ich einer Frau so nah
gesessen,« fuhr er im selben Tonfall fort, wie um zu verhindern, dass sie ihn
unterbrach, »noch nie einer, bei der man fühlt: es ist gut, dass sie existiert.
Man hat ein so verdammtes Bedürfnis nach Reinheit, so ein grässliches Verlangen
nach einem Menschenauge. Zu wissen: so schaut dich keine andre an wie die -,
Herrgott, Herrgott! Dass einmal der Fluch deiner Verlassenheit zunichte wird -
Mensch! Mensch! Was ists denn gar so viel? Was will man denn? Nur nicht in der
Wut hinsiechen und am Durst krepieren. Einmal den Kopf in einen Weiberschoss
graben und nichts mehr spüren als die geliebte Nacht, und wenn oben Schweigen
ist, ein paar Hände
