 dem
Fünfuhrzug wieder nach Berlin zurück. Es tut mir leid.«
    Jetzt drehte Frau Wahnschaffe das Gesicht Christian zu, mit solcher
Langsamkeit, dass die Bewegung marionettenhaft wirkte. »Es tut dir leid; sieh
da,« murmelte sie, »ich hätte kaum so viel erwartet. Aber alles ist gerichtet,
Christian; dein Bett, die Schränke, alles ist instand. Du warst ja lange nicht
da. Ich habe dich lange nicht gesehen. Lass mich nachdenken: anderthalb Jahre
wenigstens. Pastor Werner hat mir von dir erzählt. Ich goutierte es nicht. Er
war zwei-, dreimal bei mir; ich konnte seine Berichte immer nur in kleinen Dosen
anhören. Ich glaubte, der Mann habe Halluzinationen gehabt. dabei drückte er
sich immer sehr vorsichtig aus. Ich sagte: Unsinn, Herr Pastor, so etwas tut man
doch nicht. Du weißt ja, Christian, in gewissen Dingen bin ich begriffsstutzig.
Nun, wie siehst du aus, mein Sohn ...? Du bist verändert. Kleidest du dich jetzt
anders, sag mal? Warum kleidest du dich denn anders als früher? Sonderbar.
Verkehrst du denn nicht mehr in guter Gesellschaft? Und was da der Pastor
gefabelt hat von freiwilliger Armut, von Entbehrungen, die du auf dich nehmen
willst, von ... mein Gott, ich weiß nicht mehr wovon noch, sag mal, hat das
wirklich einen ernsten Hintergrund? Ich verstehe es nämlich nicht.«
    Christian sagte: »Möchtest du dich nicht ein wenig zu mir setzen, Mutter? Du
stehst so da, man kann dabei nicht ordentlich sprechen.«
    »Gut, Christian, setzen wir uns und sprich. Es ist nett von dir, dass du es
so sagst.«
    Sie nahmen auf dem Sofa nebeneinander Platz, und Christian fuhr fort: »Ich
bin zweifellos in deiner Schuld, Mutter. Ich hätte nicht warten sollen, bis du
durch Fremde erfährst, was ich beschlossen und getan habe. Ich sehe jetzt, dass
das unsre Verständigung erschwert. Es ist so unangenehm und umständlich, über
sich selbst zu reden; doch muss es vielleicht sein, denn was die andern Leute
erzählen, ist meistens grundfalsch. Ich dachte manchmal daran, dir zu schreiben;
es ging nicht; schon im Gedanken an das Schreiben wurde jedes Wort schief und
unwahr. Ganz ohne Anlass herzukommen und Erklärungen zu geben, fühlte ich kein
Bedürfnis. Es schien mir, es müsste so viel Vertrauen vorrätig sein, dass ich mich
und meine Handlungsweise nicht ausführlich zu rechtfertigen brauchte. Besser,
dachte ich mir, ist Bruch und Loslösung, weil nicht gesprochen wurde, als
unzeitiges Beschwatzen und dann doch Bruch und Loslösung, weil man nicht
verstanden worden und
