 sich gegen die Kälte abhärten will und plötzlich seine
Kleider abwirft. Es ist dir wie einem zumute, der nie Schnaps getrunken, nicht
einmal gerochen hat und mir nichts dir nichts eine ganze Flasche Fusel in den
Schlund gießt. Du frierst in der Kälte; du taumelst, weil dich das Gesöff
umwirft. Aber das ist nicht das Ärgste. Das Ärgste ist, dass dir heimlich graut.
Wie könnte es auch anders sein? Die Elemente, aus denen du gemacht bist, haben
eine Gewalt wider deinen Willen. Es graut dir, und du gestehst es dir nicht ein.
Fasst du nicht hundert Dinge mit deinen Händen an, schmutzige Dinge, gemeine
Dinge, hässliche Dinge, die früher überhaupt nicht in deinen Gesichtskreis
gekommen sind? Dann sitzt du da und beschaust dir deine Fingernägel, die immer
noch für den Salon poliert sind. Beschaust sie mit Ekel und wagst nicht nach dem
Wasserglas zu langen, das unreine Lippen berührt haben, schwielige Fäuste
gehalten haben. Ja, deine Hände sind es, die dir am meisten leid tun; und was
hat das Ganze für einen Zweck, wenn einem seine Hände leid tun? Liegst du denn
in diesem Bett wirklich? Auf diesem Sofa wirklich?«
    »Ich glaube ja, Amadeus.«
    »Ich glaube nein. Und wenn es kalt ist in der Nacht, schürst du Feuer an, in
diesem Ofen, du, wirklich?«
    »Wer denn sonst? Ich habe es gelernt.«
    »Und zündest die Petroleumlampe an, du, dem das Licht in Sälen auf einen
Druck an eine Wand gehorchte, du, wirklich? Du bist es nicht wirklich. Die
rauchgeschwärzte Decke da, pfui Teufel! Was für eine Unruhe muss in dir sein, wie
muss dich der Abscheu schütteln. Kannst du denn schlafen? Und ist das Erwachen
nicht gespensterhaft? Gehst in deinen feinen Kleidern unters Volk; jeder merkt,
dass sie nicht von einem billigen Schneider stammen und dass die Bügelfalte nicht
von der letzten Weihnacht ist; da grinsen die Leute und kommen sich vor wie
betrogen, denn der größte Betrüger ist in ihren Augen der Reiche, der den Armen
mimt. Sie nehmen dich nicht ernst, und wenn du dein ganzes Vermögen in die Spree
wirfst; sie nehmen dich nicht ernst, und wenn du in Lumpen vor ihnen
herumspazierst. Du erbitterst sie nur, sie halten es für Gaukelei und Spleen. Du
kennst sie nicht. Du kennst nicht ihre Verwahrlosung, du weißt nicht, was sie
entbehrt haben, seit Generationen entbehren mussten und wie sie dich dafür
hassen. Du kennst nicht ihre Geschäfte, ihre Gedanken, ihre Sprache, und sie
werden niemals begreifen, dass einer freiwillig auf etwas verzichten sollte, was
ihr
