 nie fragen: ist das
richtig? stimmt das? hat es Hand und Fuß? Sondern einfach los. Je skrupelloser,
je zweckmässiger. Die am besten schreiben, sind oft die dümmsten Kerle. An wen
willst du denn schreiben? Eilt es denn so? Briefschreiben kann man immer
verschieben.«
    »Ja, es eilt. Diesmal eilts,« versetzte Christian. »Stettner hat mir
geschrieben. Ich werde nicht klug aus dem, was er schreibt. Er teilt mir mit,
dass er den Dienst quittiert und nach Amerika geht, und dass er mich vorher noch
einmal sprechen möchte. Am fünfzehnten Oktober schifft er sich in Hamburg ein.
Nun trifft sichs ja ganz gut, dass ich um diese Zeit in Hamburg bin, und das will
ich ihn wissen lassen.«
    »Da seh ich weiter keine Schwierigkeit,« sagte Crammon ernst; »du schreibst:
ich bin dann und dann dort und dort und hoffe oder wünsche oder erwarte et
cetera. Dein treuer oder ergebener oder dich grüssender et cetera. Er quittiert
also? Und aus welchem Grund? Gleich nach Amerika? Da ist was faul.«
    »Er hat eine Duellaffäre gehabt. Er hat eine Forderung abgelehnt. Das ist
alles, was er als Grund anführt, und dass die Verhältnisse sich so gestaltet
hätten, dass er in der neuen Welt eine neue Existenz bauen müsse. Mich berührt
das ziemlich nah. Ich hab ihn immer gern gehabt. Ich will ihn sehen.«
    »Ich wäre auch neugierig, zu wissen, was da vorgegangen ist,« sagte Crammon.
»Der gute Stettner sieht mir nicht aus wie einer, der leichterdings kneift und
seine Ehre aufs Spiel setzt. Er war als Offizier exemplarisch. Eine
verdrießliche Geschichte, scheint es. Aber sie verschafft dir einen Vorwand für
Hamburg, wie ich merke.«
    Christian stutzte. »Warum Vorwand?« fragte er ein wenig verlegen, »ich
brauche keinen Vorwand.«
    Crammon beugte den Kopf weit ins Zimmer hinein und legte das Kinn auf die
Elfenbeinkrücke seines Stockes. Die Pfeife saß im Mundwinkel, kunstvoll, und
rührte sich nicht bei den Sprechbewegungen der Muskeln. »Du wirst doch nicht
behaupten wollen, mein süßer Schatz, dass du es sonst mit reinem Gewissen
tätest,« begann er wie ein Beichtvater, der einem ungeständigen Verbrecher mit
sorgfältig ausgearbeiteten Argumenten zu Leibe rückt; »du wirst doch deinem
alten Spiessgesellen und Bruder im Geiste nicht einen blauen Dunst vormachen
wollen? Man ist dem Freund einiges schuldig. Man darf nicht vergessen, unter
welchen Auspizien und Verheißungen man in die Welt getreten ist und was für
Bürgschaften der geleistet hat, stille Bürgschaften, Herzensbürgschaften, der
der Urheber und Regisseur eines glänzenden Einzugs war. Sogar
