 auch ihre Prozesse,« sprach Ganswind
erklärend weiter. »Es ist vielleicht nur etwas zu früh erwähnt worden.«
    Die Hauswirtin unterbrach ihn kreischend: »Nein, das ist nicht zu früh, es
wird nie früh genug den Leutchen das Richtige empfohlen. Damit man sich nicht
scheidet, führt man den Scheidungsprozess, und ebenso, damit eine Scheidung
jederzeit leicht ist, muss der Prozess stets warm sein. Es braucht nur ein kleines
Drücken,« sie schnalzte mit dem Finger, »und dann ist er heiß. Und dann ist
beiden Teilen so leicht und froh, - und was kostet das? Eine Bagatelle. Sie
wohnen bei uns im Hause. Mein Mann führt mit unseren Mietern Prozesse und führt
ihre Prozesse. Das ist eine pure Annehmlichkeit für alle, die hier im Hause
wohnen. Und wir können deshalb auf lästige Mietssteigerungen verzichten, weil
der gute Mann so viel einfacher verdient. Und es ist auch für Sie einfacher. Die
Leute aus der vierten Etage sollen schon seit zehn Jahren hinaus; es schwebt die
Klage gegen sie, aber drin bleiben sie doch. Das ist nur ein etwas verdächtiges
Frauenzimmer. Passiert nun das Geringste, so sitzt sie auf der Straße. Stets â
prè, stets geborgen. Aber das war ja nur ein Beispiel. Für Sie kommen wieder
andere Gesichtspunkte in Frage. Sie sind Künstler, und werden wahrscheinlich oft
großes Geschrei haben, das andere Mieter stört. Was macht man dagegen, dass
solche Belästigte schweigen müssen? Ganz einfach: man beweist ihnen, dass man
schon in Klage ist mit dem Lärmer. Und die Scheidung? Wer denkt denn an so was
überhaupt?! Bei einem Paare, das so in sich verschossen ist! Sehen Sie, gerade
deshalb. Darum gibt man einem das. Dann will man es nicht.«
    Der Doktor zog allmählich das Gesicht zu einem breiten Grinsen: »Das ist
sehr gut, sehr gut. Susi, hast du je so etwas gehört?«
    Susanne stand mit erhitzen roten Wangen, sie konnte nicht so ohne weiteres
diese Harmlosigkeit in solchen Absichten ihrer Freunde entdecken, denn sie wusste
ja, dass sie ziemlich viel Dreck am Stecken hatte. Besonders bangte sie um ihr
Vermögen, das noch höchstens fünfzehnhundert Mark betrug. Der berühmte Bräutigam
heiratete sie als Millionärin, mit einem Landhause.
    Hermione löste sie aus der Beklemmung. Sie dehnte die Rechtsgeschäfte ihres
Wirtes noch mit dem Hinweis aus: »Mit der Beschaffung des Luxus ist es ebenso.
Wer keinen Luxus hat, der kann eben nicht leben. Den Luxus macht man mit
ungeheuren Rechnungen, Schecks und Wechseln. Versteht denn ein Mensch davon
etwas? Gar nichts versteht man davon. Gar nichts. Das macht alles der Anwalt.
Ossi
