 wollte und deren
anspornende Wirkung ich mir so freudig ausgemalt hatte, zu Qual-und Nötestunden
wurden; - dass ich schließlich verzweifelt alles über den Haufen warf, bis in mir
eine klägliche Leere war und ich mein Leben hypochondrisch ausfüllte mit
Journalelesen und Rauchen, Schlaf und Trank und tagelangem trüben in die Wolken
Sehen. Dadurch ist mir die Freude zur steten Arbeit genommen; ohne einen mich
befriedigenden Abschluss zu erreichen, werden meine Kräfte lahmer und
widerspenstiger von Tag zu Tag. Dadurch - und das ist das Böseste - konnten jene
Gedanken zu mir kommen und haben sich bei mir eingenistet: alles Wissen sei kein
Wissen, sei nur ein zu wissen Glauben.
    Lerne ich, um am Ende zu bekennen, all mein Wissen ist nur Glaube, ist nur
ein auf geglaubten Grundgesetzen, der absoluten Wahrheit unserer Denkformen,
aufgetürmter Begriffebau? Der in absoluter Hinsicht keinen Pfifferling Wert hat?
Um mir gegen mein Wissen Brot, Bier und eine Gans zu kaufen - erklettere ich
deswegen diesen gläsernen Bau? Arbeite ich, um mit Hilfe jenes Glaubens, jener
Lüge mein Leben fristen zu können - das Leben, das ich doch habe, ohne es
gewollt zu haben?
    Und doch sagt mir eine drängende Stimme, dass es irgendwie und irgendwo ein
abschliessendes Wissen, eine adäquate Wahrheit gibt -: so war eben der Weg, den
ich einschlug, sie zu erreichen, für mich der falsche, und darum suche ich mir
einen neuen Weg, darum will ich von heute an diese wissenschaftliche Bummelbahn,
dieses Springen von einem zum andern, weitergehen, ausgesprochener und
unbekümmerter als der krasseste Fuchs - mein Geist drängt danach, er wird schon
wissen weshalb. Darum will ich ihn ohne Aufsicht meines wurmstichigen Willens
irrlichtern und tauchen lassen wohin und wie seicht oder tief er mag; darum will
ich ihn von jenem für andere vielleicht lobenswert praktischen, aber für mich
unangenehm spanischen Stiefel befreien und ihn schauen und walten lassen wie er
will. Nur die eine Regel soll er nicht ganz aus dem Auge verlieren, alles was er
zu sich zieht, mit Ernst zu umfassen, nicht dem mystifizierenden Kirchen- oder
Katheder- oder gar dem kuhäugigen Philisterernst, sondern dem stets wachen
Gefühl, dass auch das Geringste ein Ausfluss des Urdings, Urgrunds ist, aus dem
auch er geflossen, dass das anscheinend Einfachste und Alltäglichste das
Würdigste und Bedeutendste ist, da es die Lösung des Rätsels in sich verborgen
hält.
    Aber nun möchte ich wissen: wie kommt es, dass ich zu dieser paradoxen
Selbstilfe greifen und meinen Intellekt, den ich vergeblich bemüht war durch
meinen Willen zu lenken, nun ganz von ihm befreien muss, damit er wieder kräftig
und seiner froh wird? Mein Wille ist zu schwach, gewiss; aber wann,
