 und alles, was dazugehört. Man wohnt nicht, man ist im
Hotel, und am Spieltisch gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft und keine
Gegenwart mehr, keine Spannungen und keine Gedanken. Denn ich muss bemerken, das
Jeu hat für mich nichts Aufregendes, es wirkt im Gegenteil beruhigend, man sieht
nur Geld, hört nur Geld, fühlt nur Geld, und das ist gerade das, was mir nottat.
Einmal gehört es mir, einmal nicht, es rollt fort, schiebt sich wieder vor mich
hin - es muss sich passiv verhalten, kann sich keine eigenen Launen mehr leisten,
sondern muss sich denen des Roulette fügen. Und ich tyrannisiere es, denn ob ich
spiele, und wie hoch, oder wieder aufhöre, steht in meiner Macht.
    Übrigens spielen nur Henry und ich. Gottfried darf nicht ins Kasino, weil er
noch nicht mündig ist, und Baumann geht von Tisch zu Tisch und sammelt Material,
um eine Abhandlung über Geldkomplexe zu schreiben. Meiner, behauptet er, sei
jetzt erst auf dem Höhepunkt angelangt. Aber das interessiert mich nicht mehr.
Morgen schreibe ich weiter, ich habe vor, einen Tag auszusetzen. Die anderen
wollen einen Ausflug machen, und um des lieben Friedens willen gehe ich mit.
Wozu eigentlich? Landschaft und dergleichen gibt es überall. Ich will hier nur
Geldluft atmen.
    Und dann muss ich mich endlich einmal um Gottfrieds Paletot kümmern, er
behauptet, allein könne er solche Einkäufe nicht machen. Man hat ihn neulich
schon für einen Selbstmörder gehalten, weil er frierend in den Anlagen
herumschlich.
    Vorige Woche haben wir enorm gewonnen, aber die letzten Tage ebenso arg
wieder verloren, und ich habe sicherheitshalber an den melancholischen
Bankdirektor telegraphiert. Er muss mir jetzt auch endlich die Abrechnung über
die eingetroffenen Gelder schicken.
 
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Das war vorgestern. Unser Ausflug verlief sehr nett, aber der Mantelkauf wurde
darüber wieder versäumt. Dieser Mantel geht mir allmählich auf die Nerven. Hätte
man doch lieber den ganzen Gottfried zu Hause gelassen.
    Heute früh nun saßen wir arglos beim Frühstück und waren gerade besonders
aufgelegt, mit neuen Kräften weiterzuspielen. Für Henry war ein ganzer Haufen
Briefe angekommen. Er wollte sie unbesehen in die Tasche schieben, aber ich
beredete ihn törichterweise, sie aufzumachen. Gleich der erste enthielt eine
lästige Nachricht, nämlich, dass die Terraingeschichte wackelt. Der Professor hat
sein Kapital herausgezogen. Mir fiel dabei aufs Herz, dass ich ihm meine Rechnung
immer noch nicht gezahlt habe und er sich vielleicht dafür rächen will. Ich
fühlte mich damals einfach unfähig, gleich wieder Rechnungen zu zahlen und mich
mit Gläubigern zu beschäftigen.
    Henry sah sorgenvoll aus und wollte von den anderen Briefen nichts mehr
wissen. Es war aber einer von Lukas dabei
