
    Damit war die Konversation für diesen Tag beendigt. Ich glaube, es war eines
der größten Komplimente, die mir jemals gemacht wurden, und weiß es auch
vollkommen zu würdigen, wie überhaupt diese Flitterwochen nicht ohne Stimmung
sind. Meine Bekannten im Sanatorium haben ihre Freude daran und kommen manchmal
zur Stadt, um sich die Sache aus der Ferne anzusehen. Nur der Professor glaubt
immer noch nicht, dass ich mit diesem Mann, der soviel von sich reden macht und
anscheinend über beträchtliche Mittel verfügt, verheiratet bin. Sonst hätte er
ihm als meinem Arzt doch längst einen Besuch gemacht und könnte ebenso gut meine
Rechnung zahlen wie Auto fahren und sich eine Meute halten. Diese und andere
gehässige Bemerkungen sind mir von einer Patientin hinterbracht worden und geben
mir wieder einmal zu denken. - Herr, wie lange noch? -
Ich mag auch keine Briefe mehr abschicken, wahrscheinlich ist das eine Art
Neurose. Henry hat etwas Ähnliches - er kann sich nicht entschließen, Briefe
aufzumachen, weil er die Zwangsvorstellung hat, es möchte etwas Unangenehmes
darin stehen. Es ist momentan wirtschaftliche Krisis bei ihm, er wartet auf eine
wichtige Nachricht, die alles mit einem Schlage ändern soll, und ehe die nicht
da ist, rührt er kein Schriftstück mehr an. Auf seinem Schreibtisch ist ein
Extrafach, wo die uneröffneten Korrespondenzen hineinkommen. Es sind Briefe aus
allen Weltgegenden darunter, auch eingeschriebene und Eilbriefe. Manchmal
vergisst er es und schimpft, dass man von dieser oder jener Sache gar nichts mehr
hört.
    »Aber es ist seit drei Wochen ein eingeschriebener Brief da, mach ihn doch
endlich auf.«
    ».... Nein, das kann ich nicht.«
    Hier und da sitzen wir vor diesen Briefen, betrachten sie und malen uns aus,
was wohl darin stehen mag. Soll man sie öffnen? Soll man sie liegenlassen? Und
wie lange? Sollen wir den Moment bestimmen oder abwarten, bis er sich von selbst
ergibt? Ich glaube, wir sind im Grunde überzeugt, dass sie durch das Lagern
besser werden, und dass Nachrichten, die bei voreiligem Öffnen noch ungünstig
lauten würden, sich vielleicht mit der Zeit in eine gute verwandeln. Das wagt
aber natürlich keiner dem anderen einzugestehen.
    Drei sind da von Gottfried, und die lasten uns beiden auf dem Gemüt. Wir
wollen sie aufmachen, sobald es da ist. Eher können wir ihm doch nicht helfen,
und es würde uns nur unnötig das Herz zerreißen, zu wissen, dass es ihm schlecht
geht.
    Früher war es immer Lukas, der den Kopf schüttelte und Blicke gen Himmel
warf, jetzt schüttelt auch Baumann. Er hält uns allmählich für schwere Fälle,
vor denen die Wissenschaft, wie er sich ausdrückt, einstweilen haltmachen
